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Nach Köln sind heuer viele unterwegs

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Noch 62 Tage. Auf der offiziellen Website des 20. Weltjugendtages zählt ein Ticker die Zeit bis zum 15. August 2005. Das Großereignis der römisch-katholischen Kirche findet in Köln statt, prominentester Besucher wird Papst Benedikt XVI. sein. "Die olympischen Spiele in München 1972 waren riesig, aber das wird die größte Veranstaltung, die wohl jemals in Deutschland organisiert worden ist", sagt Josef Sommer, Geschäftsführer von Köln Tourismus. "Die ganze Welt wird auf Köln blicken, wir werden im Focus des Medieninteresses stehen."


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Was kann einer Tourismusagentur Besseres passieren: Eine Woche "Weltjugendtag" wird Köln Besucherzahlen bescheren, die an die Spitzen des vergangenen Jahres herankommen. Im Herbst 2004 zählte Köln-Tourismus knapp 400.000 Übernachtungen und 200.000 Ankünfte.

Damit nicht genug. Sommer denkt in größeren Dimensionen: "Das sind die Gäste der Zukunft", prognostiziert er. "Die jungen Menschen sollen eine tolle Zeit und schöne Erlebnisse haben - und mit ihren Kindern später wiederkommen." Dann werden die heute jugendlichen Pilgerinnen und Pilger wahrscheinlich ein höheres Reisebudget mitbringen und etwas feudaler nächtigen als im August: In der Zeltstadt am Fühlinger See werden 5.000 schlafen, viele andere sind in Schulen, Turnsälen und privat bei Familien untergebracht.

Aber auch die Hotelbetten in und um Köln sind laut Sommer gut gebucht. Zum Weltjugendtag werden einige tausend kirchliche Würdenträger erwartet. Und manche Gäste - vorwiegend aus den USA - reservierten Monate im Voraus Vier- und Fünfsternzimmer. "Die Reisebudgets der US-Amerikaner sind in der Regel sehr hoch", weiß Sommer. Die Tourismusbetriebe wird das freuen - wobei sich nicht nur mit dem Verkauf von Haubenmenüs oder Rheinschifffahrten Geld verdienen lässt, sondern auch mit vielen kleinen Andenken, die die Mehrzahl der Teilnehmer erstehen wird.

"Köln ist eine weltoffene, lebendige Stadt", sagt Sommer. Ab Samstag wird bis 3. Juli der Cologne Pride begangen. Köln Tourismus wirbt mit "Kultur, Diskussionen, Foren, Straßenfesten und Parties an allen Dreh- und Angelpunkten der lesbisch-schwulen Szene". Höhepunkt und Abschluss ist der "Christopher Street Day", dessen Veranstalter und Teilnehmer weltweit für mehr Selbstbewusstsein der Homosexuellen und mehr gesellschaftlicher Akzeptanz eintreten. "Es ist schön, dass das Ganze von Toleranz geprägt, dass Weltjugendtag und Cologne Pride fast nebeneinander ablaufen - und friedlich", meint Sommer.

Match um Brasilianer und um die Popkomm

Etwas weniger friedlich, scheint es, ist es im Vorfeld des heute, Mittwoch, startenden Confederations Cup abgelaufen. Köln ist eine der fünf Gastgeberstädte, der Confed die "Generalprobe" für die Fußballweltmeisterschaft 2006. Brasilien hat Köln als Hauptquartier ausgesucht. "Die Fans wollten einen zentralen Stützpunkt und hatten sich in Frankfurt umgesehen. Eine Woche später haben wir sie nach Köln eingeladen", berichtet Sommer. "Die Frankfurter haben sich nicht so ins Zeug gelegt wie wir - und Köln kann es allemal mit Frankfurt aufnehmen. Köln ist das Rio Deutschlands."

Ob es Köln mit Berlin aufnehmen kann, wird sich weisen: Im vergangenen Jahr wurde die Musikmesse "Popkomm" erstmals seit 15 Jahren nicht in Köln, sondern in Berlin veranstaltet. Das zeitgleich stattfindende "Ringfest" ist den Kölnern geblieben, zusätzlich gibt es seit 2004 die "c/o pop" - "Festival für elektronische Popkultur, Musik, Kunst und Business". Sie sei mehr als ein Popkomm-Ersatz, beteueren die Kölner. Was nicht heißt, dass man sie nicht mehr wieder haben wollte. Sommer: "Wir holen die Popkomm zurück."