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Nach Liftschluss auf die Piste?

Von Sophia Freynschlag

Wirtschaft

Einige Skigebiete verlangen Eintritt von Tourengehern, Ski-Sheriffs kontrollieren.


Wien. Wintersportler, die nach dem Einkehrschwung in die Hütte abends ins Tal fahren und Tourengeher, die nachts die Pisten benutzen, begeben sich in große Gefahr. Zwar ist es erlaubt, die Pisten nach Liftschluss zu befahren. Viele Skigebiete präparieren allerdings in der Nacht die Pisten mit Pistenraupen und Seilwinden. Bei Unfällen nach Betriebsschluss haben Wintersportler schlechte Chancen, vor Gericht Schadenersatz zugesprochen zu bekommen.

Bei Unfällen während der Liftzeiten trifft den Pistenbetreiber die Pistensicherungspflicht, im Rahmen derer er Benutzer vor atypischen Gefahren schützen muss, sagt Christoph Haidlen von der Innsbrucker Kanzlei CHG Rechtsanwälte. Das Unternehmen muss also beweisen, dass es keine Fehler zu verantworten hat, die zum Unfall geführt haben.

Verletzt sich ein Sportler außerhalb der Betriebszeiten, liegt die Beweislast hingegen beim Geschädigten: Er muss dem Liftbetreiber grobes Verschulden nachweisen - etwa, dass ein Mitarbeiter eine Stange auf die Piste gelegt hat. Der Pistenbetreiber hat keine Sicherungspflicht mehr, sondern nur mehr eine Wegehalterhaftung.

"Nachtfahrverbot" in einigen Skigebieten

Einige Skigebiete wie Saalbach-Hinterglemm und Großarl in Salzburg haben - bis auf jeweils eine Piste - aus Sicherheitsgründen Pistensperren kurz nach Betriebsschluss eingeführt. "Bei einer Sperre können verletzte Wintersportler keine Ansprüche geltend machen", sagt Haidlen.

Das "Nachtfahrverbot" auf Pisten kann durch eine ortspolizeiliche Verordnung durchgesetzt werden. "Es gibt aber keine österreichweit gültige Handhabe, um Pisten zu sperren", so Erik Wolf, Geschäftsführer vom Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich. Zudem würden Tourengeher beim Abfahren Furchen in die fertig präparierte Piste ziehen.

Immer wieder stoßen Skisportler trotz Warnleuchten in der Dunkelheit mit Pistengeräten und Seilwinden zusammen. Erst vergangene Woche übersah ein 18-jähriger Snowboarder im deutschen Berchtesgaden auf dem gesperrten Hang ein gespanntes Seil und verletzte sich schwer am Oberschenkel.

"Die Pisten werden in der Nacht mit schweren Geräten präpariert, die an bis zu einem Kilometer langen Seilen bergwärts gezogen werden", sagt Markus Ramsbacher von der Kärntner Gerlitzen Kanzelbahn. Dieses etwa fingerdicke Seil wird über die Piste gespannt und schwingt mehr als zehn Meter, ist aber in der Dunkelheit nicht erkennbar.

Später mit dem Präparieren zu beginnen, ist nicht möglich, erklärt Ramsbacher: Bis zwei Uhr müssten Pisten fertig präpariert sein, damit sie sechs bis acht Stunden durchfrieren können.

Fünf Euro Pistenmaut fürTourengeher

Das gefällt vor allem Tourengehern nicht, die gerne in Vollmondnächten die Hänge aufsteigen. Die Zahl der Tourengeher wächst stetig. Der Alpenverein schätzt, dass 80.000 "Fitnessgeher" regelmäßig auf Pisten unterwegs sind, vor allem in Skigebieten nahe Ballungszentren.

Wegen der Nähe zu Villach ist die Gerlitzen bei Tourengehern beliebt. Vor einigen Jahren kamen bis zu 300 Tourengeher am Tag ins Skigebiet nahe des Ossiacher Sees - 2005 wurde deshalb ein Tourengeher-Ticket eingeführt. Fünf Euro ist für die Benutzung der Piste zu zahlen, ein Ticket inklusive einer einmaligen Liftbenützung kostet sieben Euro. Kontrolliert wird von der Pisten-Security in grellorangen Jacken, die auf Skiern unterwegs ist und Tourengeher auf der Piste bittet, ihre Liftkarte vorzuweisen.

Ramsbacher begründet die Einführung damit, dass dadurch ein Vertrag mit den Tourengehern besteht und bei Unfällen die Versicherung des Skigebietes einspringen kann. Außerdem habe das Skigebiet Bewusstsein für Pistenregeln geschaffen. Nach einem anfänglichen Aufschrei der Tourengeher werde das Ticket nun akzeptiert.

Der Alpenverein spricht sich jedoch gegen eine "Pistenmaut" für Tourengeher aus, aber für angemessene Parkgebühren und akzeptiert zeitliche Pistensperren.

Einen Kompromiss haben mittlerweile Skigebiete, etwa im Raum Innsbruck, mit Abendskitouren gefunden: Unter der Woche steht an jedem Abend ein Skigebiet länger für Tourengeher offen, die Pisten werden ab 22 Uhr präpariert.