Zum Hauptinhalt springen

Nach Microsoft könnten noch vielen Hi-Tech-Firmen Strafen drohen

Von Harald Waiglein

Analysen

Erinnert sich noch jemand an Netscape? Vor Zeiten des Microsoft-Internet-Explorers war Netscape der beliebteste Weg, um ins Internet zu gelangen. Wie mittlerweile erwiesen ist, hat Microsoft seine Marktmacht in den 90er Jahren bewusst dazu benutzt, den Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Heute gibt es Netscape nicht mehr.


Eine Folge dieser Episode war ein Kartell-Verfahren in den USA. Als im Rahmen dieses Verfahrens ein US-Gericht die Zerschlagung von Microsoft anordnete, sah es kurz so aus, als würde die Marktdominanz von Microsoft gebrochen - allerdings nur kurz. Denn in zweiter Instanz hob das Gericht die Zerschlagung wieder auf. Stattdessen ordnete die Justiz an, dass Microsoft sein Betriebssystem für Anwendungen konkurrierender Software-Firmen offener machen muss.

Die Folge davon war, dass Microsoft im Großen und Ganzen genauso weitermachen konnte wie bisher. Nach wie vor besitzt das Unternehmen de facto ein Monopol bei PC-Betriebssystemen. Auf etwa 95 Prozent aller Computer weltweit läuft Microsoft Windows.

Die EU dürfte aus den Erfahrungen in den USA gelernt haben und macht in ihren Bemühungen um mehr Wettbewerb im Software-Sektor nun wirklich ernst. Die 497-Millionen-Euro-Rekordstrafe gegen Microsoft ist dabei nur ein erster Schritt. Der Betrag könnte sich noch um weitere 280 Millionen Euro erhöhen. So hoch ist nämlich ein Bußgeld, das die EU-Kommission im Vorjahr gegen den US-Software-Konzern verhängt hat, weil er sich kontinuierlich den Anordnungen der EU-Wettbewerbsbehörden widersetzt hat. Dieses Urteil muss nun ebenfalls noch von der Justiz bestätigt werden.

Auch Excel-Verfahren?

Doch selbst das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Von IBM und Oracle wird Microsoft vorgeworfen, seine Dominanz bei Textverarbeitung und Tabellenkalkulation (also bei Word und Excel) gezielt gegen Konkurrenten einzusetzen. Hier könnte dem US-Konzern das nächste Kartell-Verfahren durch die EU-Kommission drohen - insbesondere jetzt, da das EU-Gericht erster Instanz der EU-Kommission als Kartellbehörde im Umgang mit Microsoft den Rücken gestärkt hat.

Doch auch andere Firmen, die in Hi-Tech-Bereichen eine ähnliche Dominanz erreicht haben wie Microsoft, könnten nun verstärkt ins Visier der Kommission geraten.

Beim Chip-Hersteller Intel wird gerade untersucht, ob er im Kampf gegen den Konkurrenten AMD illegale Rabatte gewährt hat. Qualcomm, dem weltweit zweitgrößten Hersteller von Schaltkreisen für Handys, wird von Nokia und Ericsson vorgeworfen, zu hohe Lizenzgebühren für Patente zu verlangen. Und Apple könnte ein Problem damit bekommen, dass sein extrem populärer I-Pod fest an den Online-Musikverkauf bei Apple gekoppelt ist. Seite 25