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Nach Rekordjahr raten Mediziner zur Impfung gegen Zeckengefahr

Von Christian Mayr

Wissen
Die Gefahr im Wald: Wie hier in Pötzleinsdorf werden Wanderer vor Zecken gewarnt. In Wien erkrankten im Vorjahr drei Personen. Mayr
© © Mayr

113 Erkrankte und vier FSME-Tote lassen Alarmglocken schrillen.


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Wien. Für den scheidenden Ärztekammer-Präsidenten Walter Dorner ist die Entwicklung schlicht "besorgniserregend": Im Vorjahr erkrankten in Österreich gleich 113 Personen an der durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - vier davon sind an den Folgen verstorben. Damit gab es fast doppelt so viele Erkrankte wie noch im Jahr 2010 (63 Personen); der Vorjahreswert entspricht dem Niveau aus dem Jahr 1996, als allerdings die Impfrate mit 78 Prozent deutlich unter jener von heute mit 85Prozent lag.

Daher appellieren heimische Mediziner eindringlich, von der einzig wirksamen Waffe gegen die fast unsichtbare Gefahr in Wäldern und Wiesen Gebrauch zu machen - der Zeckenimpfung. Die Immunisierung passiert meist in drei Schritten: Einen Monat nach der Erstimpfung erfolgt normalerweise die zweite, rund ein Jahr darauf die dritte Teilimpfung. Personen unter 60 Jahren sollten alle fünf Jahre, Personen darüber alle drei Jahre zur Auffrischung kommen. Neu ist, dass es auch eine Schnellimpfung gibt, bei der der zweite Part schon nach zwei Wochen erfolgt - was einen Schutz für zumindest eine Saison garantieren soll.

Wer unsicher ist, ob er noch geschützt ist, kann auch eine sogenannte Titer-Bestimmung durchführen lassen - die mit rund 18 Euro aber etwas teurer als eine Impfung ist.

Ab 17,90 Euro in Wien

Für Wiener am günstigsten ist jene, die von den Gesundheitsämtern der Stadt angeboten wird - dort zahlen Erwachsene 17,90 Euro. Deutlich teurer kommt es, wenn man sich vom Hausarzt immunisieren lassen will: Dann zahlt man außer einem Honorar in Höhe von rund 12 Euro auch noch den FSME-Impfstoff, der heuer um 29,50 Euro in Apotheken verkauft wird. In den Impfstellen der Wiener Gebietskrankenkasse zahlt man zumindest kein Honorar.

Warum es ausgerechnet im Vorjahr so viele Fälle gegeben hat, ist selbst für die Wissenschaft ein Rätsel: Der Wiener Parasitologe Georg Duscher sieht einen Grund im Zusammenspiel von Temperatur und Feuchtigkeit. "Wenn es warm, aber nicht zu trocken ist, gehen die Zecken verstärkt auf Nahrungssuche." Ob es insgesamt mehr (infizierte) Zecken gab als früher, lasse sich aber nicht beantworten - hier soll bald eine neue Studie Aufschluss geben. Eines sei aber laut Duscher klar: "Von kurzfristigen Temperaturschwankungen zeigen sich Zecken unbeeindruckt." Ergo dürfte der strenge Februarfrost nicht zu einer kleineren Population geführt haben.