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Nachbarn holen langsam auf

Von Sissi Eigruber

Europaarchiv

Die Kaufkraft in unseren neuen EU-Nachbarländern nimmt zu, auch wenn der Unterschied zum EU-Durchschnitt mitunter noch erheblich ist, berichten Experten.


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Generell sei die Erfassung der Kaufkraft eine schwierige Sache, erläutert Josef Pöschl vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) gegenüber der "Wiener Zeitung". So sei in Tschechien natürlich Prag die reichste Region. Die Stadt ist reich, aber die Umgebung eher arm. Nicht berücksichtigt wird auch die Verschiebung der Kaufkraft durch Pendler. Mittelböhmen etwa sei eher arm, aber viele Einwohner dieser Region arbeiten in Prag. Schlussfolgerung: Prag ist nur so lange reich, als auch viele Nicht-Prager dort einkaufen gehen. Was die Grenzregionen der "Ostländer" betrifft, zeige sich deutlich, dass sich jene, die an Österreich oder "West-Deutschland" grenzen, positiver entwickelt haben als die Grenzgebiete zu "Ost-Deutschland" oder Polen. Eine Ursache dafür sei der Einkaufstourismus aus Österreich und Deutschland.

Jedenfalls gibt es noch Einiges aufzuholen: Die Kaufkraft in Westungarn, Südmähren und Südböhmen liegt bei rund 50% von jener der Österreicher, so Pöschl. Begünstigt im Vergleich zum Rest des Landes ist auch Westungarn. "Das regionale Wachstum des Bruttoinlandprodukts ist dort wesentlich schneller als im Landesdurchschnitt", erklärt Sandor Richter, Ungarn-Experte vom WIIW. Mit der EU-Erweiterung erwartet er in den Grenzregionen keine großen Änderungen mehr: "Ich glaube, dass der Großteil der positiven Effekte schon eingetreten ist."