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Nachbaur läuft die Zeit davon

Von Walter Hämmerle

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Von der Tagespolitik hat sich das Team Stronach praktisch abgemeldet. Ob es noch an seine eigene Zukunft glaubt, ist offen.


Es gibt viele Arten, in der Politik zu scheitern. Manche können sogar durchaus ehrenvoll sein, zumal es mitunter nicht einmal einen Schuldigen braucht. Dinge entstehen und vergehen, in der Politik ist das nicht anders.

Was dies angeht, ist Österreichs Parteienlandschaft seit Jahren im Umbruch. Die aktuelle Kaskade an Wahlgängen - neun Landtagswahlen, eine Nationalrats- sowie eine EU-Wahl zwischen März 2013 und Oktober 2015 - beschleunigt dabei den jeweiligen Entwicklungstrend für die Parteien, sei es nach oben oder nach unten. Wie schnell das Aus im Extremfall kommen kann, exerzierte das BZÖ mit atemberaubender Achterbahnfahrt vor.

Nun steht mit dem Team Stronach ausgerechnet jene politische Bewegung vor dem gleichen Schicksal, die dieser Laune Jörg Haiders nach dessen Tod die Luft zum Atmen genommen hatte: das Team Stronach.

BZÖ und Team Stronach haben gemeinsam, dass sie als Parteien-Hybride entstanden - die Orangen als Piraten blauer Mandate, Stronachs Truppe als spendables Auffangbecken für dienstfertige BZÖler. Es gab zwar kein Programm, dafür etwas, das im Entfernten an den charismatischen Führer erinnert, dem schon Max Weber politische Anziehungskraft attestierte.

Für punktuelle Wahlerfolge reichte die Strahlkraft dieses Anführers durchaus aus. Mit dessen Rückzug wird allerdings das gesamte Unterfangen grundsätzlich infrage gestellt.

Ein Leben nach dem Charismatiker ist zwar nicht ausgeschlossen, aber nur zu erreichen, wenn die Wettbewerbskonstellation der Parteien eine Nische bietet, die für eine parlamentarische Existenz ausreicht. Das dürfte beim Team Stronach allerdings schwierig werden. Die Entscheidung, nicht zur EU-Wahl anzutreten, weist darauf hin, dass auch die Parteiführung um Kathrin Nachbaur derzeit nicht an den eigenen Erfolg glaubt.

Nachbaur bleibt nicht mehr viel Zeit. Verzichtet das Team Stronach auch bei den kommenden Landtagswahlen, insbesondere in Wien und der Steiermark, der Heimat Frank Stronachs, auf ein Antreten, sinken die Chancen auf eine Wiederwahl 2018 auf ein Minimum. Und selbst wenn sich der Milliardär selbst kommendes Jahr noch einmal in die Wahlkampfschlacht wirft - im Herbst 2018, wenn die nächste Nationalratswahl ansteht, wird Stronach 86 sein und sich wohl lieber mit seinen Enkeln abgeben, als sich noch einmal die Tortur eines innenpolitischen Spießrutenlaufs anzutun.

Wenn Nachbaur also mehr sein will als nur die politische Masseverwalterin ihres Mentors, wird sie nicht darum herumkommen, das Projekt neu auszurichten. Chancen hat das allein schon rechnerisch wohl nur dann, wenn im großen Teich jener Unzufriedenen gewildert wird, auf den derzeit die FPÖ ein Monopol hat. Das verlangt naturgemäß auch nach dem entsprechenden populistischen Zungenschlag in der Debatte. Ob Nachbaur persönlich den Ehrgeiz hat, Stronachs Hybridprodukt doch noch politisches Leben einzuhauchen, ist die Frage. Wenn doch, sollte sie besser heute als morgen damit anfangen. Am Ende wird sie sich dann nämlich auch vom Markenkern verabschieden müssen, Stronachs Namen.