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Nachher ist man immer klüger

Von Edwin Baumgartner

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"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Das Vorgehen des Burgtheaters und der Bundestheater-Holding im Fall Florian Teichtmeister war korrekt. Zu diesem Schluss kommt das von Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer beauftragte Gutachten.

Dieses Gutachten muss für Direktor Martin Kušej wie eine Erlösung sein. Es gibt nur ein paar "hätte-könnte", die logisch sind, denn auch in diesem Fall weiß man nur eines mit letzter Sicherheit: Nachher ist man klüger.

Doch so widerlich dieser Fall ist: Er kann und darf kein Anlass sein, ein Gerücht als Schuldspruch zu behandeln. Bis zum Geständnis hatte Teichtmeister als unschuldig zu gelten. Er stellte sich, guter Schauspieler, der er ist, glaubwürdig als Opfer eines Rufmords dar. Wer Kušej vorwirft, er habe zu lasch gehandelt muss sich die Frage gefallen lassen, wie Kušej besser vorgehen hätte sollen. Hätte er Teichtmeister beurlauben sollen? - Wenn ja: Bis wann? Hätte er Teichtmeister weniger oft besetzen sollen? Darauf ist Teichtmeister nicht eingegangen.

Man stelle sich für einen Moment, einen kurzen Moment nur, vor, es seien nur Gerüchte gewesen: Dann hätte sich Kušej durch eine Beurlaubung Teichtmeisters an einem wahrscheinlich irreparablen Rufmord mitschuldig gemacht.

Das Gutachten empfiehlt der Bundestheater-Holding, nun klare Richtlinien für Verdachtslagen auszuarbeiten. Gut so, denn solche Fälle sind juristische wie menschliche Balanceakte und als solche für eine freihändige Vorgehensweise wesentlich zu heikel, und zwar für alle Beteiligten.