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Nackte stellen alles auf den Kopf

Von Barbara Ottawa

Wirtschaft
Barbara Ottawa ist freie Journalistin und berichtet vorwiegend über Investitionen und Pensionskassen.

Ein glossarischer Ausflug in die Welt der Investmentfonds.


Es gibt keine Fondspräsentation, in der nicht zumindest einmal Phrasen wie "bottom-up", "top-down", "growth vs value" und "stock picking" fallen - alles unterschiedliche Ansätze bei der Investition von Geldern, die auf Deutsch wörtlich mit "von unten nach oben" (oder aber auch "Hintern hoch"), "von oben nach unten", "Wachstum gegen Wert" und "Aktien herauspicken" übersetzt werden können.

Die Begriffe stehen für Glaubensfragen: Soll man sich ein Unternehmen gründlich ansehen und aufgrund dessen investieren ("bottom-up") oder sich lieber die Trends einer Sparte/Region ansehen und daraus auf gute Investitionen schließen ("top-down")? Eines der hitzigsten Duelle ist immer jenes der Growth-Investoren, also solche, die Unternehmen auch kaufen, wenn der Aktienkurs nicht gerade günstig ist, weil sie Wachstumspotenzial sehen, gegen die Value-Investoren. Letztere kaufen Aktien nur dann, wenn sie unterbewertet sind. Als "stock picker", also jemand, der einzelne Aktientitel auswählt, muss man sich also entscheiden, von welchem Blickwinkel aus man ein Unternehmen betrachtet.

Und dann sollte man sich noch fragen, ob man nackt kurz gehen will - oder überhaupt darf. "Naked short selling", also das Tätigen eines Leerverkaufs, ohne auf das zugrunde liegende Wertpapier einen Anspruch zu haben, ist in Österreich derzeit zum Beispiel für viele Finanztitel wie Banken verboten. Damit sollten nach der Krise Spekulationen auf fallende Kurse in diesem Bereich eingedämmt werden.

Allerdings haben während der jüngsten Finanzkrise die meisten Strategien quer durch die Bank verloren und seither werden Rufe von Investment-Beratern immer lauter, sich als Endinvestor nicht nur auf Fonds mit einem Investment-Ansatz zu fokussieren, sondern auch die Strategien im Portfolio zu diversifizieren.

Wer die menschliche Komponente in Anlageentscheidungen weitgehend ausgeschaltet wissen will, der kann sich sogenannte Quant-Fonds näher ansehen. Deren "quantitative Analysen" beruhen auf mathematisch-statistischen Berechnungen, aus denen der Computer Investmentmöglichkeiten herausfiltert. Jene werden auch für sogenannte "Trendfolger" eingesetzt. Das sind Fonds, die versuchen, aus mathematischen Berechnungen heraus früh in Trends zu investieren.

Schwierig wird ein solcher Ansatz in Zeiten, wo kein klarer Trend erkennbar ist. Kritiker des Systems sprechen zum Beispiel derzeit von einem "Markt mit Seitwärtsbewegung".

Für den Privatinvestor, der nicht selbst direkt in Aktien oder andere Anlageklassen investieren will, stellt sich also die Frage, welchem Investmentansatz er Vertrauen schenken will.

Vor der Auswahl eines Investmentfonds sollte man sich auch den Anbieter und seinen "track-record" ansehen, also wie seine Fonds bislang abgeschnitten haben. Obwohl Erträge in der Vergangenheit nie einen Rückschluss auf zukünftige Gewinne/Verluste zulassen, kann man sich doch ein Bild von der Vorgehensweise des Anbieters machen.

Weiters zu beachten sind die Nebenkosten, auf Englisch "fees" genannt, die bei manchen Anbietern an das Abschneiden des Fonds geknüpft sind. Die Finanzmarktaufsicht in Österreich hat dazu auf ihrer Homepage www.fma.gv.at eine statistische Auswertung über die marktüblichen Bandbreiten bei solchen Gebühren veröffentlicht.

Barbara Ottawa ist freie Journalistin und berichtet vorwiegend über Investitionen und Pensionskassen.