Zum Hauptinhalt springen

Nackte Zahlen und Emotionen

Von Francesco Campagner

Kommentare

Bildung durch Fernsehen - einst glaubte auch der ORF an diese Möglichkeit. Heute muss man schon über die Grenzen blicken, um etwa bei Bayern alpha "Programmieren mit C++" gemütlich auf der Couch zu lernen oder beim "Computer ABC" die Geheimnisse jenes mittlerweile unverzichtbaren Hausgenossen zu erfahren. Der ORF hat sich mehr auf Emotionen spezialisiert, "Iss was!? - Ernährung heute" würde - wenn überhaupt - in einer Sendung des weiblichen Triumvirats Rußwurm/Stöckl/Karlich abgehandelt werden. Und die Bedeutung der Sozialhilfe abseits der leider üblich gewordenen Sozialschmarotzer-Hysterie wird eben nicht im "Report", sondern "Am Schauplatz" abgehandelt.

Auch bei Geldangelegenheiten reichen nackte Zahlen nicht. Walter Sonnleitner bemüht sich immer wieder, die trocken erscheinende Materie mit viel Überzeugungsarbeit dem Seher zu vermitteln. Am Dienstag etwa ließ er in der "ZiB 2" alle Aktien-Geschädigten wissen, dass triste Zeiten an der Börse nur von kurzer Dauer sind. Zwei, drei, maximal vier Jahre muss man sich gedulden, dann geht es wieder aufwärts. Der befragte Experte sah es vorsichtiger und riet den Zögerlichen ruhig noch ein wenig in ebendiesem Zustand zu verweilen. Just als vor wenigen Tagen in einer ORF-Wirtschaftssendung ein anderer Fachmann Gegenteiliges von sich gab und zum Abstoßen der verlustbringenden Aktien sowie sofortigem Neubeginn riet. Auch die (Aktien-)Welt - eine emotionelle Angelegenheit voller Widersprüche.