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Nacktscanner: Wann wird Fliegen aus Gründen der Selbstachtung unmöglich?

Von Michael Schmölzer

Analysen

Der misslungene Anschlag eines jungen Nigerianers auf eine US-Passagiermaschine hat vor allem unter den politisch Verantwortlichen einen Schock ausgelöst. Mit einem Schlag und unter Verwendung simpelster Mittel wurde den Entscheidungsträgern die latente Terrorgefahr drastisch vor Augen geführt; die zuletzt zunahm, weil zumindest in den USA die Aufmerksamkeit der Sicherheits- und Geheimdienste abgenommen hat. | Der Attentatsversuch von Detroit macht den Verantwortlichen auf schmerzhafte Weise klar, dass das, was man seit 9/11 mit aller Kraft anstrebte, nicht verwirklicht wurde: Absolute Sicherheit. Nachdem die derzeit verwendeten technischen Geräte und die gültigen Flüssigkeits-Verordnungen nicht in der Lage sind, Attentäter ausfindig zu machen, will man jetzt noch ein Stück gründlicher kontrollieren. Zahlreiche Länder haben angekündigt, sogenannte Nacktscanner einzusetzen. Flankiert wird diese Absicht von einer heftig geführten Debatte über die Zuverlässigkeit und ethische Vertretbarkeit derartiger Geräte.


Gegner des Nacktscanners führen ins Treffen, dass sein Einsatz völlig sinnlos wäre; es gäbe zu viele Methoden, ihn auszutricksen. In der Tat ist der Erfindungsreichtum von Terroristen unerschöpflich, mit Sprengstoff getränkte Kleidung etwa fällt per Definition nicht in das Aufgabengebiet eines Nacktscanners; weil sich die neuen Maschinen auf die Körperoberfläche beschränken, finden sie auch in diversen Körperöffnungen versteckte Gegenstände nicht. Flachgewalzt am Körper getragene Bomben werden vom Nacktscanner unter Umständen ebenfalls nicht erkannt.

Auch wenn manche dieser Argumente am Ende nicht zutreffen sollten: Sicher ist, dass auch der beste Nacktscanner überlistet werden wird. Dann besteht die Gefahr, dass immer ausgefeiltere Terroristen-Methoden zu einer immer körperintensiveren Durchsuchung von Passagieren führen werden, bis man schon aus Gründen der Selbstachtung keinen Flieger mehr besteigen kann.

Nicht vergessen werden darf, dass sich mit der Angst vor Terror gute Geschäfte machen lassen. Es gibt nur eine Handvoll von Firmen, die Nacktscanner produzieren. Deren Lobbyisten haben großes Interesse daran, einerseits die Furcht vor Anschlägen zu schüren, andererseits ihre Geräte als Wunderwaffen zu vermarkten. Die Aktien der vier großen Hersteller sind jedenfalls in den letzten Tagen bereits sprunghaft angestiegen.

Entscheidungsträger, die immer umfassendere Überwachungsmethoden fordern, geben zu, wie ohnmächtig die Politik angesichts des Terrors eigentlich ist. Dieser wird nämlich nicht durch verstärkte Überwachung an Flughäfen beseitigt sondern durch Lösungen in Nahost, in Afghanistan und im Irak. Und durch taugliche Versuche, mit der islamischen Welt einen Dialog aufzubauen.