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Nadelstreif und Vorstadtgasthaus

Von Francesco Campagner

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Es war ein ungewöhnlicher Sonntag vor den Fernsehgeräten, den uns die Landtagswahlen in Salzburg und Kärnten bescherten. Am späteren Abend kehrte die "ZiB 2" ins Wochenend-Programm zurück. Erstaunlich dabei die neue Herrenmode, die aus dem Landesstudio Klagenfurt vorgeführt wurde: Nadelstreifanzüge der sizilianischen Sorte sind auch im Süden Österreichs en vogue. Ingrid Thurnher durfte Interviews mit den Gewinnern der Wahlen, Jörg Haider und Gabi Burgstaller, führen und sich - am Vorabend des Frauentags - mit dem schwerwiegenden Thema beschäftigen, wie die künftige Landeshauptfrau in Salzburg genannt werden will.

Haider und Burgstaller haben, so unterschiedlich sie auch sein mögen, jedenfalls eine Gemeinsamkeit: Sie sind Oberösterreicher, die ihr Glück in der Fremde gesucht und gefunden haben. Diesen Umstand übersah auch Armin Wolf im darauf folgenden "Offen gesagt" nicht. Zur Diskussion darüber kam es allerdings nicht, waren doch alle anwesenden Herren aus anderen Bundesländern. Überraschend war nur eine gewisse Trägheit und Müdigkeit, die über der Runde lag. Die Herren schafften es nur mit Mühe, ihre Ansichten wohlgeordnet von sich zu geben. Wenn die Selbstdisziplin gar zu sehr nachließ, griff Wolf sanft, aber entschlossen ein. Störend war nur das Ende: In den letzten Statements die Schluss-Signation einzublenden, erinnerte stark an das Brauchtum in so manchem Vorstadtgasthaus, wo die Gäste zur Sperrstunde mit lauter Radiomusik hinauskomplimentiert werden.