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Nagelprobe für den Neuen

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

Foglar verhandelt bei Herbstlohnrunde. | Arbeitgeber wollen Kollektivvertrag in zwei Teilen. | Wien. Die Herbstlohnrunde startet. An manchem wird sich auch heuer nichts ändern - etwa, dass Vertreter von Metallergewerkschaft und Gewerkschaft der Privatangestellten ihr Forderungspaket um 14 Uhr in der Wirtschaftskammer der Arbeitgeberseite überreichen. Um wie viel Prozent die Löhne und Gehälter steigen sollen, sagt die Arbeitnehmerseite im vorhinein wie üblich nicht.


Ändern werde sich auch an der Art der Verhandlungen nichts - das beteuern jedenfalls beide Seiten. Der Bawag-Skandal solle kein Thema sein. Zumindest indirekt ist dies aber doch der Fall: Erstmals wird Erich Foglar unter anderem mit Hermann Haslauer verhandeln. Als oft mit "Ziehsohn" oder "Kronprinz" betitelter Mitarbeiter Rudolf Nürnbergers trat Foglar im heurigen Frühjahr dessen Nachfolge an. Nürnberger hatte im Mai den Vorsitz in Folge der Bawag-Krise zurückgelegt. Den Schritt hatte er damit begründet, dass der Gewerkschaftsbund in der schwierigsten Situation seit seinem Bestehen stecke. Die Verhandlungen um einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die 180.000 Metallarbeiter und Industrieangestellten gelten als Bewährungsprobe für Foglar.

Und seine Seite ist von einem Vorschlag der Arbeitgeber wenig angetan: Dieser sieht Änderungen in der Art des KV vor. "Wir wollen weg von einheitlichen Lösungen für eine ganze Branche", sagt Manfred Engelmann, Leiter der Arbeitgeberabteilung der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer. Nach wie vor solle es eine Entgelt-Basis für die Branche geben. Darüber hinaus sollen Betriebe, die eine "bestimmte Erfolgsmarke" erreichen, ihren Mitarbeitern eine Einmal-Zahlung garantieren. Für diese Zahlung solle per KV eine Obergrenze eingeführt werden. "Innerhalb der Branche gibt es Betriebe, die stärker wachsen, und solche, denen es schlechter geht." Für Unternehmen, die es sich eher leisten können, ihrem Personal mehr zu zahlen, solle der zweite Teil des Wunsch-KV gelten.

"Die einen besser, die anderen schlechter zu entlohnen, entspricht keiner solidarischen Politik", heißt es aus der Gewerkschaft. Auf Unternehmensprobleme könne auch anders reagiert werden als mit "weniger Lohn": "Man kann auch die Geschäftspolitik ändern."