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Nagl geht mit "Zuckerl" in Budgetgespräche

Von Martina Pock

Politik

Die schwarz-rote Stadtregierung geht mit einem 228 Euro-Öffi-Jahresticket auf Partnersuche für ihr kommendes Budget.


Graz. Gerüchte gab es bereits länger, am Montag erhielten sie Bestätigung: Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) und seine Stellvertreterin Martina Schröck (SPÖ) haben den Grünen vor den Budgetgesprächen ein verlockendes Angebot gemacht: ein Öffi-Jahresticket um 228 statt bisher 399 Euro. Dies gibt es aber nur dann, wenn das Doppelbudget für 2015/16 auch zustande kommt und für dieses benötigen Schwarz und Rot im Gemeinderat die Grünen als Mehrheitsbeschaffer. "Dieses Ticket findet unsere volle Unterstützung und ist immens wichtig zur Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs in Graz", sagt Stadträtin Lisa Rücker. Ein Ja zum Budget heißt das aber noch nicht. "Es gibt nach wie vor keine Pläne, wie den großen Herausforderungen Straßenbahnausbau, Schaffung von leistbarem Wohnraum und Verbesserung der Luftgüte in Graz begegnet werden soll", kritisiert der grüne Klubobmann Gerhard Wohlfahrt.

Auch die KPÖ begrüßt den Vorstoß von Nagl und Schröck, obwohl man bedauert, dass ein Einlenken erst erfolge, wenn es darum geht, ein Budget zustande zu bringen. Philip Pacanda von den Piraten gibt zu bedenken, dass die Auslastung bereits zu hoch sei: "Einen Fahrgästeanstieg von 10 bis 20 Prozent könnten wir im Moment gar nicht handeln".

Billigstes Jahresticket

Sollte das neue Grazer Jahresticket kommen, wäre es das günstigste in Österreich. In Klagenfurt sind 430 Euro, in Salzburg 366, in Wien, Eisenstadt und Bregenz 365 Euro für die Jahreskarte zu bezahlen. Die Grazer Grünen hatten eine deutliche Preisreduktion schon lange eingefordert, von der Stadtregierung wurde dies bisher aber trotz steigender Feinstaubwerte als unfinanzierbar abgelehnt. Nun soll es doch gehen. Aber wie wird dieses "Zuckerl" finanziert? Laut Wohlfahrt sollen Nagl und Schröck in den Gesprächen mit den Grünen bereits weitere Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich angekündigt haben. "Das ist eine Unwahrheit", kontert Thomas Rajakovics, Pressesprecher von Bürgermeister Nagl. Es würde zwar zu 1,7 Millionen Euro weniger Einnahmen kommen, die die Stadt ausgleichen müsse, doch hofft man auf mehr verkaufte Jahrestickets als bisher. Bei einer Bevölkerung von 305.000 werden pro Jahr 12.000 Jahrestickets verkauft, steigere man diese Zahl durch das neue Ticket auf 15.000, wäre man wieder bei einem Nullwert, argumentiert Rajakovics. Für die FPÖ geht die Rechnung aber nicht auf. "In Wien ist es durch die Einführung des 365-Euro-Tickets zu einer Umschichtung gekommen", sagt Heinz Pleschiutschnig aus dem Büro von Stadtrat Mario Eustaccio. Viele Monatskartenkäufer seien auf die verbilligte Jahreskarte umgestiegen, sagt er.

Das Jahresticket in Graz gäbe es jedoch nur für Menschen mit Hauptwohnsitz in der steirischen Hauptstadt. Auf den Pendlerverkehr, der für einen Großteil der Feinstaubentwicklung verantwortlich ist, hätte das neue Jahresticket keine Auswirkungen.