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Namen, denen man blind vertraut

Von Christoph Irrgeher

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Man muss nicht unbedingt ein PR-Mann sein, um die Binsenweisheit zu kennen: Je glaubwürdiger der Absender, desto glaubwürdiger auch die Nachricht. Darauf bauen ja auch die Erfinder jenes digitalen Unrats, der Spam heißt. Wobei: Da geht der Schuss schon oft nach hinten los, weil die Verfasser - womöglich aus globalisierungstechnischen Gründen (kommen die Mails aus Omsk? Botswana?) - nur selten typische deutsche Namen verwenden. Sprich: Dass der eigene Bekanntenkreis aus so einem Namenssammelsurium besteht, ist so unwahrscheinlich wie ein austrainierter Carl Lewis mit Seitenstechen.

Aber wer weiß. Vielleicht hat man all diese Bekannten (was natürlich schon so unwahrscheinlich wäre wie eine Kugelblitzattacke in der Tiefsee) ja auch irgendwann vergessen. Puff! Namensamnesie. Dann hieß meinereiner früher einmal Rainer. Und die gute Elfi Bleiweiss, die war mir in allen Lebensfragen eine Stütze. Jetzt also rührt sich die treue Seele, die ausgeschrieben Elena heißt (?!), behufs "mehr Power im Glied". Pikant? Ja. Doch wohlmeinend. Und wer soll’s ihr verdenken? Den Einkaufstipp hat sie ja angeblich von zwei gemeinsamen Kumpels. Vom Björn (Herrgott, wen hab ich in den 80ern getroffen?). Und vom Wolfhelm (vermutlich ein nordkapumsegelnder Wagnerverbandsleiter). Wolfhelm! Der sein Seebärenherz nicht gerade auf der Zunge trägt. Denn den Einkaufstipp hat er der Elfi "im Vertrauen" offenbart. Womit eigentlich nur noch ein Name ohne Gesicht ist: Wer zum Teufel ist "Azra"("Liebe Grüße, auch an . . .")? - Wer weiß, vermutlich hab’ ich auch mein Haustier vergessen. Muss ein verwunschener Rabe sein.