Zum Hauptinhalt springen

Nanotechnologie in der EU

Von Waldemar Hummer

Kommentare
Waldemar Hummer ist Universitätsprofessor für Europa- und Völkerrecht an der Universität Innsbruck. Foto: privat

Mit der Gründung des gemeinsamen Unternehmens Eniac versucht die Europäische Union, im Bereich der Nanoelektronik eine europäische Spitzenstellung einzunehmen. | Im Siebten Forschungsrahmenprogramm der EG (2007-2013) werden "Gemeinsame Technologieinitiativen" (JTIs) als neuer Weg eingeführt, öffentlich-private Partnerschaften in der Forschung auf europäischer Ebene zu realisieren.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Bei der Gründung solcher JTIs geht es vor allem darum, auf EU-Ebene viele Forschungsaktivitäten zusammenzubringen und zu koordinieren, alle Quellen öffentlicher und privater Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in Anspruch zu nehmen, eine engere Verbindung zwischen Forschung und Innovation zu erzielen und so zur Verwirklichung der europäischen Ziele der Wettbewerbsfähigkeit und eines einheitlichen "Europäischen Forschungsraumes" beizutragen.

Gemeinsames Unternehmen Eniac

Die gemeinsamen Technologieinitiativen ergeben sich vor allem aus der Arbeit Europäischer Technologieplattformen und können für deren Umsetzung eingesetzt werden. Dementsprechend legte die Kommission Mitte Juni 2007 einen Vorschlag für eine Verordnung des Rates über die Gründung des gemeinsamen Unternehmens Eniac [SEK(2007) 851] vor, um über dieses eine JTI auf dem Gebiet der Nanoelektronik zu implementieren (Eniac JTI).

Eniac JTI zielt darauf ab, ein einzelnes europaweites Forschungs- und Entwicklungsprogramm zu schaffen, das dazu beitragen soll, die Nanoelektronikindustrie in der EU in eine Spitzenposition zu führen.

Der Rahmen, in dem Eniac operieren soll, ist vor allem durch die europäische Aktion "Nanowissenschaften und Nanotechnologien: Ein Aktionsplan für Europa 2005-2009" und die Arbeiten des wissenschaftlichen Ausschusses für aufkommende und neu erkannte Gesundheitsrisken vorgegeben.

Eniac ist damit für die Leitung eines wichtigen europäischen Forschungs-, Entwicklungs- und Innovationsprogramms verantwortlich, das als ein Projekt von gemeinsamem europäischen Interesse anzusehen ist.

Nanoelektronik für industrielle Potenz

Nanoelektronik ist eine Basistechnologie für die zukünftige Entwicklung großer Hightech-Fertigungssektoren, die für die industrielle Potenz der EG wesentlich ist.

Nach ersten Schätzungen absorbiert die Nanoelektronik Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen von etwa 20 Milliarden Euro pro Jahr. Sie ist ein wesentlicher Motor für Innovation und Wachstum und daher entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Entwicklung der EU. Der Marktumfang der Nanoelektronik stellt gegenwärtig fast 1 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts mit einer starken jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von etwa 15 Prozent dar. Kein Wunder, wächst doch der Anteil elektronischer Komponenten am Gesamtwert innovativer Produkte ständig. Der Nanoelektroniksektor generiert auch in erheblichem Ausmaß hoch qualifizierte Arbeitsplätze.

Die Nanoelektronik beeinflusst eine Reihe von Anwenderindustrien und Bereiche wie zum Beispiel Telekommunikation, Konsumgüter, Ausbildung, Multimediadienstleistungen, Verkehr, Gesundheitswesen, Sicherheit oder Umwelt mit einem finanziellen Volumen von etwa 5000 Milliarden Euro.

In den vergangenen zehn Jahren haben europäische Forschungsprogramme große Anstrengungen unternommen, um die Mikro-/Nanoelektronikforschung und -fertigung in Europa weltmarktfähig zu machen. Es muss allerdings noch mehr geschehen, damit Europa vor allem im Bereich der Herstellung zukünftiger Generationen integrierter Schaltungen nicht von den USA und von Asien überholt wird.