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Närrisches, ungeniert gesendet

Von David Axmann

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Narrenfreiheit bedeutet für die meisten die Erlaubnis, ungeniert und ungestraft alles zu sagen, was man für narrisch gspaßig hält. Die wenigstens verstehen darunter das Recht, sich die Freiheit zu nehmen, die Narrheit der Welt lächerlich zu machen. Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten in Deutschland und Österreich schlagen leider auch in diesem Fall den deppensicheren Pfad ein, auf dem die Mehrheit der Zuseher mit urseligem Behagen dahintrampelt.

Wenn das Karnevals- bzw. Faschingstreiben seinem Helau bzw. Leilei trunkenen Höhepunkten zutorkelt, eilen ihm die TV-Sender als allzeit bereite Pfadfinder und Wegbereiter der organisierten Heiterkeit vergnügten Sinns voraus und reservieren die besten Sendeplätze. Während unsere deutschen Nachbarn sich an allerlei Fasnachtsgestalten und Karnevalssitzungen ergötzen, halten wir gar eine "Olympiade der heimischen Faschingsgilden" ab, welche unter dem Motto steht: "Dabei sein ist das Wichtigste!" Unzählige provinzielle Humorverbreiter und -innen drängen sich ins Scheinwerferlicht und dringen ungestraft in die heimischen Fernsehapparate vor. Witzeerzähler und Gstanzlsängerinnen aus dem ganzen Land, vom hochalpinen Surmtal bis in die Niederungen von St. Damian an der Scherzing, legen öffentlich Proben ihres leider nicht verborgen gebliebenen Talents ab.

Es zeigt sich also auch in der angeblich heitersten Zeit des Jahres, dass der ORF seinen Kulturauftrag vor allem so versteht: Was die meisten für narrisch guate Unterhaltung halten, das wollen wir ungeniert senden.