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Nationalbank: Mitglied des Generalrats sorgt für Wirbel

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Rücktritt von Ex-Meinl-Gutachter Göth gefordert. | Wien. Durch die Brisanz der Affäre rund um die Immobilienfirma Meinl European Land (MEL, heute Atrium Real Estate) ist auch der Wirtschaftsprüfer Philip Göth wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt.


Göth sitzt im Aufsichtsgremium der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) - dem Generalrat - und hat Ende 2006 per Gutachten den börsegehandelten MEL-Papieren bescheinigt, "zur teilweisen Veranlagung von Mündelgeld" geeignet zu sein. Mittlerweile haben Anleger viel Geld mit dem verloren, was Göth als "MEL-Aktie" bezeichnete, obwohl es sich dabei um Zertifikate gehandelt hat. Konsumentenschützer werfen Meinl vor, zu Unrecht mit der Mündelsicherheit geworben zu haben.

Es könne nicht sein, dass Göth weiterhin als Generalrat der OeNB tätig sei, poltert SPÖ-Finanzsprecher Jan Krainer. Neben dem MEL-Gutachten stößt sich Krainer auch an Göths Rolle als Aufsichtsrat der Bank Medici - jenes Wiener Institutes, das Fonds des mutmaßlichen US-Milliardenbetrügers Bernard Madoff vertrieben hat.

Mandat nur bis 31. Juli

Göth hat seine Funktion bei der Bank Medici Ende 2008 zurückgelegt. Krainer wundert sich allerdings, dass der Wirtschaftsprüfer "nicht genauer nachgefragt" habe. Zu allem Überdruss ist zuletzt in Medienberichten Kritik an angeblich spärlichen Sitzungsbesuchen Göths bei der OeNB laut geworden.

Der ehemalige Österreich-Chef der Wirtschaftsprüferkanzlei Deloitte ist nunmehr in Peking für das Unternehmen tätig. Für eine Stellungnahme war er nicht erreichbar. In Generalratskreisen äußert sich zunehmend Unmut: Die Rolle Göths sei zumindest aufklärungsbedürftig, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Wenn an den Vorwürfen "etwas dran" sei, wäre ein Rücktritt "schon angebracht".

Notenbank-Präsident Claus Raidl lehnt eine Stellungnahme ab: Dies sei Aufgabe der Bundesregierung. Tatsächlich ist Göth in der Zeit von Finanzminister Karl-Heinz Grasser in die OeNB entsandt worden. Kenner der Materie glauben nicht, dass die Regierung an einer Abberufung Göths arbeitet. Hier dürfte man eher auf den Faktor Zeit setzen: Göths Mandat läuft nämlich am 31. Juli aus.