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Nationalbank tourt auf der Suche nach dem Schilling wieder durch die Lande

Von Stephan Hofer

Wirtschaft

9 Milliarden sind noch im Umlauf. | Umtausch-Bus mit Sicherheitsschulung.


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Wien. Die Österreicher verstehen sich offenbar auf’s Schatzsuchen. Die alljährliche Schilling-Umtausch-Tour der Österreichischen Nationalbank (OeNB) wird auch in ihrem zehnten Jahr noch oft und gerne in Anspruch genommen. Denn immer noch finden sich vergessene oder verloren geglaubte Schilling-Depots.

Der Euro-Bus reiste im Jahr 2002 bei der Einführung des Euro erstmals für drei Monate durch alle Bundesländer. „Damals haben wir angenommen, dass wir den Umtausch in vielleicht drei oder vier Touren abgeschlossen haben”, erinnert sich OeNB-Kassendirektor Gerhard Schulz, „aber auch auf unserer heurigen Jubiläumstour tauschen wir noch große Mengen um”.

Insgesamt rund 458 Millionen Schilling wurden vom Euro-Bus in den vergangenen neun Jahren in Euro umgewechselt. Und es ist so bald kein Ende in Sicht: „Wir schätzen, dass noch etwa 9 Milliarden Schilling im Umlauf sind”, sagt Schulz. Ein Drittel davon wird als verloren gegangen eingeschätzt, ein weiteres Drittel befindet sich wahrscheinlich bei ehemaligen Österreich-Urlaubern im Ausland. Das verbleibende Drittel hofft die OeNB in den kommenden Jahren umtauschen zu können. Als Ziel für dieses Jahr hat sich die Euro-Tour das Knacken der 500-Millionen-Marke gesetzt. Angesichts einer durchschnittlichen Umtauschmenge von etwa 40 Millionen Schilling pro Jahr bleibt es spannend, ob die Nationalbank heuer das selbstgesetzte Ziel erreicht.

Euro-Fälschungen richtig erkennen

Neben dem Umtausch-Service bietet der Euro-Bus auch Sicherheitsschulungen für Passanten und den Handel an. Dabei erklären die Tourbegleiter einige einfache Merkmale, anhand derer man echte Euro-Scheine leicht von Fälschungen unterscheiden kann. Diesen Service will die Nationalbank auch in Zukunft verstärkt anbieten. „Für den Herbst planen wir Schulungen in Einkaufsstraßen”, sagt Gerhard Schulz. Auch eine Kids-Tour für die Sechs- bis Zehnjährigen in ganz Österreich gibt es.

Von einer Sehnsucht nach dem Schilling ist beim Euro-Bus nichts zu spüren. „Die Leute, die zu uns kommen, freuen sich, dass sie für ihre alten Schilling von uns neue Euros bekommen”, erzählt Schulz. Lediglich als Souvenir für Kinder und Enkelkinder oder als Sammelstücke behalten einige ihre alten Schilling-Münzen und Scheine.

Wie manche ihre alten Münzen, so sammelt der Euro-Bus Anekdoten darüber, wie und wo Menschen alte Schilling-Beträge finden. Gerhard Schulz hat auch eine Lieblingsanekdote: In Krems stieß eine Dame beim Ordnen eines Bücherregals auf ein altes Buch mit dem Titel „Das Geheimnis von Bagdad”. Es stellte sich heraus, dass das Buch selbst ein Geheimnis barg, es war nämlich eine Attrappe, gefüllt mit etlichen Silbermünzen. Eine Dame aus Salzburg glaubte, vor zehn Jahren im Urlaub bestohlen worden zu sein, bis sie eines Tages in einer alten Handtasche eine 1000-Schilling-Banknote wiederfand. In anderen Fällen tauchten Geldscheine in alten Kleidungsstücken, an der Rückseite von Gemälden und sogar in einer Puderdose auf.

Der Umtauschkurs von Schilling auf Euro unterliegt übrigens keinen Schwankungen. Es gilt nach wie vor der Wechselkurs vom Zeitpunkt der Euro-Einführung. Einzig der Wechselkurs für alte Schilling-Silbermünzen wird an den jeweils aktuellen Silberpreis angeglichen. Alte Schilling-Banknoten werden vernichtet, die Münzen eingeschmolzen und als Rohmaterial wiederverwendet. So steckt auch im Euro ein bisschen Schilling.