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Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel: Hymne an einen See

Von Ine Jezo-Parovsky

Politik

Er ist Frischluftreservoir, Klimaregulator und Lebenselixier. Der Neusiedler See ist eines der kostbarsten Juwele Europas. Hier, wo die Ausläufer der Alpen und die ungarische Tiefebene

aufeinandertreffen, hat sich eine Tier- und Pflanzenwelt entwickelt, wie sie sonst nur in Südrußland und Asien zu finden ist. Um sie zu schützen, traten Ungarn und Österreich schon vor dem Fall des

Eisernen Vorhangs in Verhandlungen ein, die 1993 in eine Vereinbarung mündeten, mit der große Teile des Seewinkels zum Nationalpark erklärt wurden. 12.000 km² davon liegen in Ungarn.

Weiterbestehen gesichert

Die 7.700 km² auf der österreichischen Seite wurden jetzt bei Podersdorf um 1.800 km² erweitert. Am 25. März beschloß der Nationalrat einstimmig die Verlängerung eines Vertrages mit dem

Burgenland. Danach wird der Bund für weitere zehn Jahre 50 Prozent der Kosten des Nationalparks, die jährlich 60 Mill. Schilling betragen, übernehmen. Für den burgenländischen ÖVP-Abg. Franz Steindl

Grund zur Freude, aber auch Anlaß, sich an Widerstände in der Bevölkerung und an politische Machtkämpfe zu erinnern.

Kleiner Seitenhieb

Denn noch in den frühen Siebzigerjahren, so erinnerte Steindl den Koalitionspartner SPÖ, hätte es einen Landeshauptmann Kery gegeben, der eine Brücke über den Neusiedlersee bauen wollte. Geplant

gewesen sei auch eine Schnellstraße entlang des Ufers. Projekte, die von der Bevölkerung aber mit einer Unterschriftenaktion erfolgreich verhindert worden seien.

Eine Wortmeldung, die von den Freiheitlichen mit Vergnügen und Zustimmung quittiert wurde. Der Abg. Karl Schweitzer ließ sich sogar dazu hinreißen, Umweltminister Bartenstein zu loben. Denn er habe

es geschafft, der Bevölkerung den Nationalpark schmackhaft zu machen und die Interessen von Tourismus, Forschung, Landwirten und auch Jägern unter einen Hut zu bringen und das sei anzuerkennen.

Gewinn für alle

Das sei darauf zurückzuführen, so der Umweltsprecher der Liberalen, Thomas Barmüller, daß Bewirtschaftung nur in den streng geschützten Zonen verboten sei, nicht aber in den sogenannten

Bewahrungszonen. Dort sei Beweidung durchaus erwünscht, um Biotope zu erhalten, die erst durch landwirtschaftliche Nutzung entstanden sind. Also stimme es nicht, daß der Nationalpark der Sieg der

Ökofundis sei, die nichts mehr zulassen.

Begrüßt wurde die Absicherung des Nationalparks Neusiedlersee auch von den Grünen. Besonders freute sich die Abg. Monika Langthaler über die neu dazugekommene Fläche. Denn sie stellt eine Erweiterung

der Kernzone dar. Das, so betonte Langthaler, sei besonders wichtig, weil damit internationale Anforderungen an einen Nationalpark erfüllt würden.

Völkerverbindend

So vielem Lob schloß sich der burgenländische SPÖ-Abg. Matthias Achs gerne an. Das Gebiet rund um den größten Steppensee Europas, schwärmte er, sei Lebensraum für eine vielfältige Pflanzen- und

Tierwelt, die teils auf den roten Listen der gefährdeten Arten stehen. Viele Impulse in Richtung Umwelt und Naturverträglichkeit hätten zur Umorientierung in Richtung sanfter Tourismus geführt.

Eine Laudatio auf Natur und Umwelt, die Umweltminister Martin Bartenstein mit der Bemerkung abrundete, daß der Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel auch mit viel Herzblut verbunden sei. In einer

Zeit, so gab Bartenstein zu bedenken, wo es noch keineswegs selbstverständlich war, sich grenzüberschreitend die Hand zu reichen, hätten Ungarn und Österreich das bei der Einrichtung des

Nationalparks schon getan. Und es sei eine willkommene Symbolik, daß frühere Wachtürme jetzt Aussichtstürme sind.Õ

Ine Jezo-Parovsky ist Mitarbeiterin der ORF-Parlamentsredaktion