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Natur als Vorbild

Von Martin Pfiffner

Wissen

Natur löst Konkurrenz als Maßstab ab. | Lernen aus 4 Mrd. Jahren Erfahrung. | St. Gallen. Zu viele Unternehmen legen ausgezeichnete Bilanzen sowie Gewinn- und Verlustrechnungen vor, sind aber trotzdem todkrank und nicht nachhaltig lebensfähig.


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Wäre es deshalb nicht sinnvoll, wenn Manager mit ihren Organisationen zumindest in die Nähe jener mit Recht bewunderten Eigenschaften von lebensfähigen Organismen kämen: Anpassungsfähigkeit, Funktionssicherheit, Lern- und Entwicklungsfähigkeit, Reaktionsschnelligkeit und ihr enormer Wirkungsgrad?

Keine Sci-Fi mehr

Der Konjunktiv kann weggelassen werden. Was gestern noch Science Fiction war, ist heute Praxis: Einige Unternehmen verwenden bereits seit Jahrzehnten die Lösungen biologischer Systeme mit großem Erfolg. Das Prinzip dabei ist einfach: Ein Unternehmen ist zwar etwas ganz anderes als ein lebender Organismus. Aber es kann Lösungen nutzen, die Organismen für die Bewältigung ihrer eigenen Probleme über vier Milliarden Jahren hinweg entwickelt und optimiert haben. Von biologischen Systemen lernen wir beispielsweise, wie Komplexität - das Kernproblem im Management - wirksam genutzt anstatt reduziert wird. "Keep it simple and stupid" funktioniert eben nur bei ganz einfachen Problemen. Höhere Leistung resultiert immer aus höherer Komplexität, wie der Biologe Carsten Bresch festgestellt hat. Von der Natur lernen Manager aber auch:

Wie man Funktionssicherheit durch Feedback und Redundanz steigert.

Wie man eine Organisation in Echtzeit statt mit Verzögerung steuert.

Wie man Selbst-Organisation und Selbst-Koordination etabliert und damit das Führen vereinfacht.

Wie man nachhaltige Ausbreitungs- und Wachstumsprozesse anlegt.

Wie man effiziente Kommunikation zwischen vielen Menschen gestaltet.

Wie man mit Hilfe der Bionik (Biologie und Technik) die besseren Erfindungen hervorbringt und wie man Innovationen wirksam managt.

Natur als Raubtier

Leider stellen biologische Systeme Managern keine Blaupausen zur Verfügung und wir können die Natur nicht kopieren. Wir können auch nicht unkritisch alles aus der Natur übernehmen. Das würde zu Raubtierkapitalismus und Sozialdarwinismus führen. Neben der biologischen gab es schließlich auch eine soziale Evolution, die wichtige Errungenschaften der Menschheit hervorgebracht hat. Die Natur liefert uns aber ein unglaubliches Repertoire an Lernvorlagen für viele unserer ungelösten Management-Probleme. Die wichtigsten Impulse für das Management kommen deshalb heute nicht mehr aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern aus den Bio-Wissenschaften; zum Beispiel aus dem, was wir heute über die Funktionsweise des menschlichen Gehirnes wissen.

Damit eröffnet sich eine völlig neue Dimension in der Wirksamkeit von Management. Die Best Practice der Zukunft wird sich an biologischen Systemen orientieren und nicht an den bestehenden Lösungen von anderen Betrieben, denn damit kann man im besten Fall nur so gut werden, wie andere schon sind. Selbstverständlich könnte man das alles auch einfach ignorieren - wenn die Konkurrenz nicht möglicherweise bereits daran arbeiten würde. Wir stehen somit nicht bereits am Ende, sondern erst am Anfang unserer Möglichkeiten.

www.malik-mzsg.ch

www.bionik-zentrum.de