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Naturgefahren: Versicherer setzen jetzt auf Prävention

Von Karl Leban

Wirtschaft

Generali Österreich bis Jahresmitte mit Schäden von 70 Millionen konfrontiert.


Venedig/Wien. Eisige Kälte, extreme Hitze, Trockenheit, Starkregen, Hagel und Sturm: Der Klimawandel lässt das Wetter immer öfter verrückt spielen. Mit der Folge, dass die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, an Gebäuden und an Infrastruktur tendenziell größer werden. Die Versichererungsbranche muss deshalb immer tiefer in die Taschen greifen und sieht sich vor neuen Herausforderungen.

Weil es mit Prämienerhöhungen allein nicht getan ist, setzt sie unter anderem auf mehr Prävention. Aber auch den Wunsch nach einem mit staatlichen Garantien ausgestatteten Versicherungspool für Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen bekräftigt sie.

Aus der Sturmschadenversicherung beispielsweise habe die heimische Branche in den vergangenen zehn Jahren 2,64 Milliarden Euro für ihre Kunden gezahlt, so Generali-Österreich-Vorstand Walter Kupec bei einem Pressebriefing in Venedig. Damit sei um eine halbe Milliarde Euro mehr bezahlt worden, als an Prämien eingenommen worden sei. Ein Verlustgeschäft also. Laut Kupec sind die Eigenbehalte für die Versicherer auch bei Schäden aus anderen Naturereignissen gestiegen - seit 2002 um ungefähr 50 Prozent.

Die Generali Österreich war im heurigen Jahr bis Ende Juni mit Unwetterschäden von fast 70 Millionen Euro konfrontiert. Im Vorjahr waren es "nur" 25 Millionen Euro gewesen.

Trotzdem sind höhere Prämien aktuell kein Thema. Denn heuer habe es vor allem viele kleinräumige Ereignisse gegeben, Auswirkungen auf die Preise hätten eher Großereignisse, erklärt Generali-Österreich-Chef Luciano Cirinà.

Bei den großen Ereignissen sei auch die Unterstützung der öffentlichen Hand wichtig, so Cirinà weiter. Zwar gibt es derzeit eine volle Deckung bei Hagel- und Sturmschäden, nicht aber bei Erdbeben und Hochwasser. Für den einzelnen Kunden könnte die Versicherungsbranche allerdings auch hier volle Deckung anbieten. Diese wäre im Fall eines staatlich gestützten Pool-Modells erreichbar - bei 300.000 Euro Versicherungssumme etwa mit einer jährlichen Prämie von 60 Euro, wie Kupec vorrechnet.

Gefahrenlandkarte Hora

Mit ihrem Pool-Modell ist die Versicherungswirtschaft bei der Politik bisher jedoch abgeblitzt. Cirinà hofft nun auf Impulse aus der Europäischen Union. Unabhängig davon steht Prävention mehr denn je auf der Agenda. Kupec verweist in diesem Zusammenhang auf die digitale Gefahrenlandkarte Hora (Hochwasserrisikozonierung Austria), die nach der Flutkatastrophe 2002 vom Landwirtschafts- und Umweltministerium erstellt wurde. Seitdem sei von der öffentlichen Hand bereits viel getan worden wie etwa Revitalisierungen, Verbauungen oder Finanzierungshilfen bei Absiedlungen.

Ebenfalls ein Thema in Sachen Prävention: Gemeinsam mit der Brandverhütungsstelle Oberösterreich analysieren die heimischen Versicherer jetzt wichtige Ursachen für wetterbedingte Schäden an Gebäuden. Sehr häufig sind diese in fehlerhafter Bauausführung und mangelnder Instandhaltung zu suchen. Laut Kupec könnte hier künftig mit Einfluss auf Baunormen, aber auch über Forschung und Entwicklung (Stichwort technische Verbesserungen) Abhilfe geschaffen werden.