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Naturkatastrophen: "Risikoforschung ist Hausaufgabe für Versicherungen"

Von Jörg Mirtl

Wirtschaft

Erdbebengefahr wird in Österreich unterschätzt. | Wien. Sturm, Hochwasser, Blitz und Donner: Wetterbedingte Extrem-Ereignisse nehmen stetig zu und bereiten auch Versicherungsunternehmen Kopfschmerzen. Alleine die beiden Stürme "Paula" und "Emma" verursachten für österreichische Betriebe einen Schaden von 250 Millionen Euro.


"Risikoforschung wird deswegen zur Hausaufgabe von Versicherungen werden", meinte Rémi Vrignaud von der Allianz Versicherung gestern, Donnerstag, im Rahmen einer Pressekonferenz. Zu dieser Hausaufgabe gehören umfassende und nachhaltige Präventionsmaßnahmen. Die Allianz möchte den eigenen Ausstoß von Kohlendioxid verringern und bei den Kunden eine Bewusstseinsbildung herbeiführen.

Dass die Risikoforschung sich im Detail als sehr schwierig erweist, konstatierte der von der Allianz engagierte Meteorologe Rupert Pichler. "Viele Dinge können nicht ordentlich gemessen werden. Und vieles sieht in lokaler Perspektive ganz anders aus."

Stürme sind im südlichen Niederösterreich und im Innviertel am häufigsten. Das Vorwarnsystem hat jedoch bei Stürmen große Fortschritte gemacht: Gab es 1999 beim Sturm "Lothar" noch keine Vorwarnung, so wurden 2008 umfangreiche Vorsorgemaßnahmen getroffen.

Hagel unberechenbar

Anders als bei den meisten anderen Naturkatastrophen steht man dem Hagel noch weitgehend tatenlos gegenüber. Weder gibt es hier lange Vorwarnzeiten noch sind vorsorgende Maßnahmen möglich. Die Hagelgefahr ist insbesondere im Salzburger Pinzgau, in Unterkärnten und im Tiroler Unterland groß.

Auch die starken Niederschläge zeigen deutliche regionale Ausprägungen. Während in der Obersteiermark die starke Schneelast zu Schäden führt, kann Hochwasser vor allem den Städten Linz-Urfahr, Steyr und Krems zur Gefahr werden. Zehn Prozent des österreichischen Gebäudebestandes befindet sich in von Überflutungen bedrohten Gebieten. Trotzdem bekommen deren Besitzer dieselben Prämien. Es sind nicht nur Flüsse, die gefährlich werden können, sondern auch kleine Bäche, die sich innerhalb von kürzester Zeit in reißende Ströme verwandeln.

Unterschätzt wird in Österreich vor allem die Erdbebengefahr. Diese ist in Wien, im Rheintal und in Südkärnten am höchsten. Pichler meinte dazu: "Das unbekannte Risiko ist oft das größte."

Die Allianz fordert neben Maßnahmen zur Nachhaltigkeit auch eine dem Klimaveränderung angepasste Bauweise. Vor allem Schäden durch erhöhte Schneelasten und Stürme könnten so vermieden werden.

Auf die Frage, ob nicht gerade klimafreundliche Bauten gefährdet und somit der Schadensprävention hinderlich seien, meinte Pichler am Rande der Pressekonferenz: "Wir sind uns dieses Widerspruches bewusst. Trotzdem sind Solaranlagen mitgedeckt." Dass der Mensch die Klimaerwärmung mit verursacht, bezweifelt er nicht. "Für 99 Prozent der seriösen Meteorologen ist das überhaupt keine Frage."