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"Naturtaxis" geben jetzt in Graz (Erd-)Gas

Von Peter Kantor

Wirtschaft

Dass Graz anders ist, weiß man spätestens nach der am vergangenen Sonntag erfolgten Gemeinderatswahl. Die steirische Hauptstadt setzt aber nicht nur in politischer, sondern auch in umweltrelevanter Hinsicht Akzente. Seit kurzem ist hier die erste Grüntaxi-Flotte Österreichs unterwegs.


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Für die Firma Kali-Auto-Taxi ist der Start des "Naturtaxis" kein grünes Experiment. Die Autos wurden ausführlich getestet, die Kosten exakt durchgerechnet und wohl auch der mögliche PR-Effekt miteinbezogen. "Unsere 16 neuen Opel Zafira CNG sind seit 23. Jänner 2003 im Taxi-Betrieb. Wir können jetzt schon sagen, dass sie kostengünstiger als vergleichbare Benzin- oder Dieselmodelle, aber ebenso leistungsfähig sind. Zudem bieten sie denselben Komfort, da der Gastank keinen zusätzlichen Platz beansprucht", resümiert Wilfried Kaliberka, Geschäftsführer von Kali-Auto-Taxi und C & K Mietwagen, über die erste Testphase im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Der Umweltfaktor ist ein zunehmend wichtiges Argument im Wettbewerb, auch in der Taxibranche. Und da bringt der Betrieb mit Erdgas klare Vorteile: bis zu 90 Prozent weniger NOx und CO, 45 Prozent weniger Kohlenwasserstoffausstoß und 30 Prozent weniger CO2. Zudem fallen keine Ruß- oder Partikelemissionen an. Die 1,6 Liter-Maschinen im Zafira CNG werden monovalent betrieben. Das heißt, man kann von Erdgasbetrieb auf Benzinbetrieb umstellen, wenn der Tankinhalt zur Neige gehen sollte. Die maximale Reichweite beträgt 350 Kilometer mit dem Erdgastank und 150 Kilometer mit dem Benzintank, wobei die Fahrzeuge überdies als sehr sicher gelten.

Die starke Nachfrage nach den "Naturtaxis" gibt dem engagierten Taxibetreiber recht. "Schon jetzt rufen viele Leute bei uns an (Anm. Tel. 0316 2604) und bestehen auf ein erdgasbetriebenes Taxi", zeigt sich Kaliberka sehr zufrieden und meint, dass ihn der Andrang wirklich überrascht habe. Umweltbewusste Menschen, Unternehmen und Institutionen wollen mit der Nutzung des "Naturtaxis" einen Beitrag zur Lebensqualität in der Stadt leisten - noch dazu, wo es keinen Preisunterschied zu "normalen" Taxis gibt.

Eine runde Sache also, wäre da nicht das mehr als bescheidene Erdgas-Tankstellennetz in Österreich. "In Graz gibt es nur eine öffentliche Erdgastankstelle, was bedeutet, dass die Fahrer mit dem Tanken sehr unflexibel sind", so Kaliberka. Diese OMV-Tankstelle liege zwar nur 100 Meter von der Taxizentrale entfernt, bei Fahrten außerhalb der Stadt müsse aber mit dem Kraftstoff immer sehr genau kalkuliert werden. In Richtung Kärnten gebe es etwa bis heute keine einzige Erdgastankstelle.

Trotz dieses Defizits plant Kali-Auto-Taxi, die derzeitige Flotte "bei guten Ergebnissen und entsprechender Akzeptanz seitens der Konsumenten auch sukzessive zu vergrößern." In Wien hat die Unternehmensgruppe, zu der auch Kali-Auto-Taxi gehört, in verschiedenen Firmen über 300 Taxis laufen (Chwatal u.a,). "Wir verhandeln derzeit mit der EVN und hoffen, dass wir in rund einem Jahr in der Bundeshauptstadt starten können", sagt Kaliberka. Förderungen haben das Projekt auch in Graz erst möglich gemacht. Unterstützt wird "Naturtaxi" von der OMV, der Steirischen Ferngas und - wie Kaliberka hofft - bald auch von der Stadt Graz.

Sehr zufrieden ist auch Opel mit der Initiative. Bereits in diesem Frühjahr soll dem Zafira CNG ein CNG-Astra folgen. "Wir sehen für Erdgasautos einen stark wachsenden Markt. In Italien gibt es beispielsweise bereits mehr als 350.000 erdgasbetriebene Autos, weil es dort auch staatliche Förderungen und ein geschlossenes Tankstellenetz gibt. Deshalb animieren wir unsere Partner aus der Mineralöl- und Gasindustrie auch, verstärkt in den Bau von Gastankstellen zu investieren, um den Markt zu dynamisieren", so Brigitte Kroll-Thaller, Geschäftsführerin von Opel Austria - die sich m übrgen freut, dass der Erdgas-Zafira jüngst zum bsten Van des Jahres 2002 mit alternativem Antrieb gewählt wurde.

Die OMV verspricht im Gegenzug einen fortlaufenden Ausbau des Erdgas-Tankstellennetzes - derzeit gibt es acht, fünf davon betreibt die OMV.