Zum Hauptinhalt springen

"Neider muss man sich erarbeiten"

Von Stefan Janny

Reflexionen
René Benko: "Hätte ich ein Kartenhaus gebaut, wäre es längst eingestürzt." Foto: Newald

2009 trotz Krise erfolgreichstes Jahr der Signa Holding. | Immobilienmarkt ist stabil, Preise in guten Lagen steigen. | Signa-Börsegang für 10 bis 15 Jahre "ausgeschlossen". | "Wiener Zeitung": Geht es Ihnen auf die Nerven, auf Ihr Alter angesprochen zu werden?


René Benko: Nein, überhaupt nicht. Ich glaube, es ist eigentlich ein schönes Kompliment, wenn man in diesem Alter bereits Großes bewegen darf und das auch positiv wahrgenommen wird. Ich sehe das eher als Kompliment.

Dieses Thema wird aber vermutlich deshalb häufig angeschnitten, weil immer noch eine gewisse Skepsis existiert, ob Sie für Ihre Projekte die nötige Erfahrung und Reife mitbringen.

Natürlich gibt es eine - für mich auch nachvollziehbare - Skepsis. Als ich das Bawag-Immobilienportfolio um doch fast 500 Millionen Euro gekauft habe, war ich gerade einmal knapp 30 Jahre alt. Da ist es verständlich, dass man sich fragt: Wie kann jemand in diesem Alter derartige Investitionen tätigen? Das ist für mich keine Kritik, sondern berechtigte Neugierde. Bis dato konnte ich letztlich eigentlich immer überzeugen, dass wir sehr nachhaltig investieren, obwohl an der Unternehmensspitze ein doch jüngerer Eigentümer und Manager sitzt.

War es im Umgang mit den Wiener Großbanken ein Vorteil oder ein Nachteil, dass Sie aus Tirol und nicht aus Wien stammen?

Ich persönlich habe es nie als Nachteil erlebt. Ich bin als Tiroler immer sehr sympathisch aufgenommen worden.

Warum haben Sie die Tatsache, dass Sie einen finanzkräftigen griechischen Investor haben, nicht früher kundgetan?

Diejenigen, die mit mir geschäftlich zu tun haben, insbesondere auch unsere Partnerbanken, aber auch Entscheidungsträger in der Politik, wussten schon lange Zeit, dass ich das eine oder andere Haus hier in der Wiener Innenstadt zur Hälfte an George Economou verkauft habe. Das ist ein sehr vermögender griechischer Reeder, der noch dazu ein sehr guter privater Freund von mir ist, und wir investieren gemeinsam in Europa in Immobilien. Wir sind beide Privatinvestoren und hängen das nicht an die große Glocke. Da wir kein börsenotiertes Unternehmen sind, müssen wir auch nicht jede Veränderung öffentlich kundtun. Aber wenn es Fragen seitens der Öffentlichkeit gibt, stehen wir mit Auskünften gerne zur Verfügung.

Können Sie nachvollziehen, dass bei manchen Beobachtern der Eindruck entstanden ist, Sie hätten versucht, den Eindruck zu erwecken, 100 Prozent des Kuchens gehörten Ihnen, auch wenn dies gar nicht der Fall ist?

Das kann ich nicht. Mir ist es gelungen, den Ruf eines sehr erfolgreichen Immobilienunternehmers zu erwerben. Mir geht es dabei überhaupt nicht darum, wie groß der Kuchen in der Öffentlichkeit erscheint, sondern mir geht es um nachhaltigen Erfolg. Wir wollen in den jeweiligen Regionen nachhaltig investieren und Wertschöpfung generieren.

Wenn man so erfolgreich ist und an der absoluten Spitze steht, muss man nicht den Anschein erwecken, einen Kuchen nicht teilen zu wollen.

Das heißt, Sie empfinden sich als an der absoluten Spitze der österreichischen Immobilien-Developer stehend?

Es ist ein Faktum, dass wir zu den erfolgreichsten österreichischen Immobilienunternehmen gehören. Und wir mussten auch in der Krise nicht mit eigenen Problemen kämpfen, sondern haben sehr konsequent und stetig weiter investiert.

Das klang jetzt nach einem Seitenhieb auf Mitbewerber wie die Familie Soravia?

Überhaupt nicht. Das war kein Seitenhieb, sondern die sachliche Feststellung, dass wir auch in einer schwierigen Zeit stetig und nachhaltig investieren konnten. Wir haben 2009, im schlimmsten Jahr der Immobilienbranche seit dem Zweiten Weltkrieg, über 500 Millionen Euro investiert. Und wir haben auch dieses Jahr, nachdem wir vor wenigen Tagen mit dem IZD-Tower Österreichs größten Büroturm für über 200 Millionen Euro erworben haben, bereits wieder über 500 Millionen investiert.

Viele Immobilienunternehmen unterschiedlichen Zuschnitts sind als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten geraten oder mussten in ihren Ambitionen deutlich zurückstecken. Sie haben währenddessen hingegen eher einen Gang zugelegt.

Weil ich das Unternehmen frühzeitig von der reinen Immobilienentwicklung auf breitere Beine gestellt, die Eigenkapitalbasis gestärkt und Co-Investoren hereingenommen habe. Und weil ich mich frühzeitig und mit Gewinn aus ost- und südosteuropäischen Investments zurückziehen konnte.

War der Rückzug aus Osteuropa Glück oder weise Voraussicht?

Das war klare Voraussicht, weil erkennbar war, dass sich in Osteuropa eine Immobilienpreisblase entwickelt hat. Wir haben über die Jahre hinweg immer wieder gute Erträge erwirtschaftet, indem wir erfolgreich investiert und auch wieder verkauft haben. Und im Gegensatz zu anderen haben wir keine bilanziellen Aufwertungen vorgenommen. Ein weiteres Erfolgskriterium war mit Sicherheit, dass ich frühzeitig begonnen habe, das Management des Unternehmens zu verbreitern. Zu guter Letzt glaube ich, dass ich ein fleißiger und vor allem auch sehr konsequenter Unternehmer bin.

Ärgert Sie es, dass es immer noch Menschen gibt, die vermuten, Ihre Aktivitäten seien ein Kartenhaus, das irgendwann in sich zusammenstürzen wird?

Früher hat es mich geärgert, da war die Anzahl der Skeptiker auch größer. Mittlerweile wird sie erkennbar geringer, weil wir lang genug am Markt sind und man mein Geschäftsmodell besser versteht. Die Wirtschafts- und Finanzkrise dauert außerdem bereits zwei Jahre. Hätte ich ein Kartenhaus gebaut, wäre es schon längst eingestürzt. Viele hat es inzwischen erwischt, ich habe demgegenüber 2009 das beste Jahr der Firmengeschichte hingelegt und über 250 Millionen Eigenkapital von unterschiedlichsten Co-Investoren und Fonds bekommen und über 500 Millionen in den Erwerb neuer Immobilien investiert - darunter besondere Objekte wie das Meinl-Haus am Graben. Proportional zur Abnahme der Zahl der Skeptiker steigt allerdings die Anzahl der Neider. Aber das ärgert mich nicht. Denn Neider in dieser Anzahl muss man sich hart erarbeiten.

Haben Sie sich gefreut oder geärgert, als Alt-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der in Ihrem Beirat vorsitzt, zum Aufsichtsratspräsidenten des Baukonzerns Strabag nominiert wurde?

Natürlich sehr gefreut und es wird jedenfalls sicher keinen Konflikt geben, denn dafür sind wir alle Profis genug. Mich verbindet außerdem eine langjährige, intensive Partnerschaft mit der Raiffeisen-Bankengruppe, die auch ein großer Strabag-Aktionär ist. Es macht mich sogar stolz, dass ich der Erste war, der Alfred Gusenbauer in einer beratenden Funktion in mein Unternehmen holen konnte. Dass ein äußerst erfolgreicher Unternehmer wie Hans Peter Haselsteiner und eine große Bankengruppe wie die Raiffeisen ihn für den Aufsichtsratsvorsitz eines bedeutenden Unternehmens nominieren, zeigt, dass ich die richtige Einschätzung seines Könnens und seiner Expertise hatte.

Wie werden sich die Immobilienpreise in nächster Zeit entwickeln?

Das muss man differenziert von Region zu Region betrachten. Man kann Österreich nicht mit Osteuropa oder Südosteuropa vergleichen, da gibt es sehr starke Unterschiede in den einzelnen Regionen und Staaten. Polen steht wirtschaftlich beispielsweise recht gut da und hat deshalb einen recht stabilen Immobilienmarkt. Ungarn und die Ukraine sind demgegenüber ziemliche Risikokandidaten. In Deutschland muss man es wirklich von Stadt zu Stadt sehen. Da gibt es starke Städte wie Düsseldorf, Hamburg, München, Stuttgart, und schwächere. Ähnliches gilt für Italien. Die Schweiz ist stark, Spanien wurde hingegen hart getroffen. Die Büromärkte in London und Paris sind eingebrochen, die Entwicklung hat aber ihren Tiefpunkt bereits erreicht. Österreich ist stabil geblieben und wird auch weiterhin relativ stabil bleiben. In den innerstädtischen Lagen sind die Preise sogar gestiegen, weil in bewegten Zeiten die Nachfrage nach konservativen Investitionsmöglichkeiten eher zunimmt.

Der Immobilienmarkt besteht aber auch in Österreich nicht nur aus prestigeträchtigen Objekten.

Das ist richtig, und bei den B- und C-Lagen spürt man auch in Österreich gewisse Preisrückgänge. In Summe ist der Immobilienmarkt in Österreich aber stabil und für mich als Immobilieninvestor ist es eine extrem interessante Zeit, weil man in Europa jetzt wieder zu attraktiveren Preisen in Immobilien investieren kann, wenn man das notwendige Eigenkapital und das Vertrauen der Banken hat. Und man kann jetzt plötzlich auch Immobilien kaufen, die über Jahrzehnte nicht zur Disposition standen. Wenn man sich anschaut, was ich in der Kärntner Straße, am Graben, Tuchlauben, Am Hof in den letzten Jahren erwerben konnte, so sind das für mich einmalige Gelegenheiten.

Wo sehen Sie sich in 10 oder 15 Jahren?

Nach wie vor als begeisterter Unternehmer an der Spitze eines in Europa etablierten Immobilienunternehmens.

Ist in diesem Szenario ein Börsegang vorgesehen, möglich oder ausgeschlossen?

Ausgeschlossen. Mich selbst hätte ein Börsengang vor ein paar Jahren vielleicht gereizt, weil das die Möglichkeit gewesen wäre, noch einmal zusätzlich schnelles Geld zu verdienen. Aber im Grunde bin ich ein überzeugter Familien- und Privatunternehmer, und daher ist für mich ein Börsegang kein Thema. Große Investitionen werden wir fallweise kapitalmäßig mit Dritten, die Zugang zum Kapitalmarkt haben, teilen - aber ausschließlich projektbezogen.

"Das war Voraussicht, weil erkennbar war, dass sich in Osteuropa eine Immobilienpreisblase entwickelt hat."

"Es macht mich stolz, dass ich der Erste war, der Alfred Gusenbauer in eine beratende Funktion holen konnte."

Zur PersonRené Benko wurde am 20. Mai 1977 in Innsbruck geboren und besuchte eine Handelsakademie. Schon während der Schulzeit machte Benko mit der Sanierung von Wohnungen erste Schritte im Immobiliengeschäft. Mit 22 Jahren gründete er die Bauträgergesellschaft Immofina. Wenig später beteiligte sich Karl Kovarik, Erbe des Stroh-Tankstellennetzes, an Benkos Unternehmen, das zunehmend größere Immobilienprojekte realisierte. 2004 und 2005 wurden zwei Fondshäuser gegründet. Seit 2006 firmiert die Unternehmensgruppe - nach einem Rechtsstreit mit der börsenotierten Immofinanz über den Namen Immofina - als Signa Holding. Große Aufmerksamkeit erregte Benko in den vergangenen Jahren durch den Erwerb prominenter Immobilien wie der ehemaligen Bawag-Zentrale, dem früheren Hauptsitz der Länderbank, dem Bank-Austria-Kunstforum und dem IZD-Tower auf der Wiener Donauplatte.

2009 stieg der vermögende griechische George Economou als Investor ein. Im Beirat der Signa Holding, die etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt, sitzen unter anderem Alt-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Ex-Bank-Austria-Generaldirektor Karl Samstag und Casinos-Austria-Chef Karl Stoss.