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Nein, dieses Lied ist nicht gratis

Von Christina Böck

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Also gut. Ins Museum zu gehen finden viele Menschen offenbar nicht mehr so sexy. Das ist bedauerlich. Aber noch nicht ganz der Untergang des Abendlandes. Denn vielleicht lässt sich das Ruder doch noch herumreißen - so wie es der Musikindustrie anscheinend derzeit gelingt. Der deutsche Musikmarkt veröffentlichte dieser Tage die Zahlen des vergangenen Jahres und teilte erleichtert mit, dass der Markt erstmals seit 1997 (!) nicht geschrumpft ist. Downloads im Internet legten gewaltig zu, um 28,8 Prozent, und der CD-Verkauf ging nur wenig zurück (minus 2,2 Prozent). Nun kann man sagen: Ist einmal ein bestimmtes Niveau erreicht hat, kann es auch nicht mehr viel bergab gehen. Aber trotzdem sind das gute Nachrichten aus einer Branche, von der man in letzter Zeit fast nur mehr Röcheln vernommen hat.

Noch bessere Nachrichten kamen aus den USA, dort wurden gar leicht ansteigende Verkaufszahlen vermeldet. Es waren nur 1,3 Prozent, aber immerhin. So etwas gab es das letzte Mal im Jahr 2004. Durch einen statistischen Trick - zehn als Download verkaufte Einzeltitel werden zu einem Album zusammengefasst - überholte der Download-Verkauf sogar den CD-Verkauf. Das Wort, das man hier betonen sollte, ist "Verkauf": Denn auch wenn die Verantwortlichen vorsichtig sind und nicht von einer Trendwende sprechen wollen, kann man doch wagemutig eines annehmen: Die Musikkonsumenten sehen wieder vermehrt ein, dass man auch für dieses Produkt zahlen muss. Das Ende der Gratisgesellschaft ist noch eine Utopie, aber es rückt vielleicht ein bisschen näher.