Zum Hauptinhalt springen

Nein, nein, Dicke gibt es nicht

Von Christina Böck

Kommentare

Einen seiner zwei Oscars hat Tom Hanks als an Aids erkrankter Homosexueller gewonnen. Das war im Film "Philadelphia" 1994. In einem Interview hat er nun gesagt, dass er diese Rolle heute nicht mehr spielen würde: "Ich glaube nicht, dass die Leute die fehlende Authentizität eines Heteros, der einen Schwulen spielt, akzeptieren würden."

Tatsächlich würde man heute wohl kaum noch auf die Idee kommen, eine solche Besetzungsentscheidung zu treffen. Vor fast 30 Jahren waren homosexuelle Schauspieler freilich vor allem auf lustige Nebenrollen abonniert - wenn überhaupt. Natürlich kann man sagen: Ist es nicht Kern der Tätigkeit des Schauspielens, jemand komplett anderen darzustellen? Zumindest in Hollywood greift das zu kurz, denn in so massenwirksamen Filmen geht es immer auch um Repräsentanz - und damit Akzeptanz.

Weniger Skrupel hatte Hanks, aktuell im Film "Elvis" den berüchtigten Manager Colonel Tom Parker im Fatsuit zu spielen. Also in einem Anzug, der vorspiegelt, Hanks sei dick, inklusive kosmetisch aufgepapptem Doppelkinn. Meist werden solche Fatsuits benutzt, um einen altmodischen, abschätzigen Körperhumor zu bedienen. Erst vor kurzem wurde Renée Zellweger in der Serie "The Thing about Pam" zur Unkenntlichkeit aufgeplustert. Das ist beachtlich. In einer Zeit, in der Schwule Schwule spielen sollen/dürfen und Schwarze mitunter sogar Weiße, spielen nach wie vor Dünne Dicke. Ganz so, als ob es keine von Natur aus beleibten Schauspieler gäbe.