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Nepp und Sozialbetrug auf der Donau

Von Franz Steinbauer

Wirtschaft
In der Donauschifffahrt geht es rau zu: Vor allem Ausländer können ein Lied davon singen. Foto: bilderbox

Laut Gewerkschaft 2000 Fälle pro Jahr. | Mitarbeiter von Donauschiffen fallen um Gehaltsteile um. | Wien. Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen. Vor allem dann, wenn er aus dem Ausland nach Österreich kommt, um in der Donauschifffahrt im Service zu arbeiten. "In der heimischen Flusskreuzfahrtbranche gibt es zum Teil schockierende Zustände. Vor allem Mitarbeitern aus Osteuropa werden Teile ihres Gehalts vorenthalten", sagt der internationale Sekretär der Dienstleistungsgewerkschaft Vida, Harald Voitl, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Kellner, Köche und Zimmermädchen müssten für sehr wenig Geld bis zu 70 Stunden pro Woche arbeiten, wobei das österreichische Arbeitsrecht umgangen werde. Auch der Sozialversicherung und dem Staat entgingen Einnahmen. "Dieses Verhalten grenzt an Sozialbetrug." Voitl schätzt die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer auf rund 2000 pro Jahr.


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Im Kreis geschickt

Typischerweise läuft laut Vida der Nepp an den Arbeitnehmern so ab: Osteuropäer werden in ihrem Heimatland für ein Donauschiff angeworben, anschließend setzt man sie in ein Flugzeug nach Wien. Dort unterschreiben sie auf dem Schiff ihre Verträge, allerdings nicht mit dem Betreiber, für den sie arbeiten, sondern mit einer Personalleasingfirma. Will der Mitarbeiter sein volles Arbeitsentgelt, dann wird er zwischen der Agentur in seinem Heimatland, dem Schiffsbetreiber und dem Leasingunternehmen im Kreis geschickt.

Aktuell unterstützt die Vida drei rumänische Staatsbürger dabei, ihre Ansprüche gegenüber einem Schweizer und einem slowakischen Unternehmen durchzusetzen. Sie waren auf dem Donauschiff Basilea Danubia eingesetzt, das von dem Schweizer Unternehmen IHS-Management betrieben wird. Die Slowaken hätten das Personal organisiert, erklärt Voitl.

Das monatliche Entgelt der drei Rumänen betrug pro Kopf laut Arbeitsvertrag, der der "Wiener Zeitung" vorliegt, 850 Euro brutto. Da sie statt 40 Stunden rund 70 Stunden arbeiten hätten sollen, beschwerten sie sich bei ihren Chefs. Auch ein Besuch der Vida an Bord, als das Schiff in Wien Halt machte, brachte keine Lösung. Der Streit mit den Chefs eskalierte, die drei Rumänen wurden gekündigt und mussten in Linz an Land gehen. Nun warten sie laut Vida immer noch auf die vollständige Auszahlung ihrer Gehälter.

Die betroffenen Unternehmen sehen den Fall freilich völlig anders. Der Chef von IHS-Management, der Österreicher Hans Stadler, sagt der "Wiener Zeitung": "Ich hoffe, dass ich nie mehr so faule Mitarbeiter kriege." Die Kellner hätten keine Leistung erbracht. Die Rumänen hätten nicht direkt für ihn gearbeitet, sondern für das slowakische Unternehmen ILSC Inter Land & Sea Contract. Er wisse, dass ILSC bereits alle Gehälter vollständig überwiesen habe. Dagegen behauptet ILSC-Chef Peter Jakubcak, dass die Verträge der Betroffenen gar nicht gültig seien, weil sie nicht mit dem ILSC-Stempel gestempelt wären.

Auch zwischen ILSC und IHS-Management ist unterdessen ein Streit ausgebrochen. Sowohl Stadler als auch Jakubcak behaupten, dass das Unternehmen des jeweils anderen ihnen noch Geld schuldig sei und nicht zahlen wolle.