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Netzdemokratie begünstigt Eliten

Von Barbara Sorge

Politik

Nicht nur technischer Zugang, sondern auch Wissen um Nutzung entscheidend.


Wien. "Das Internet macht Politik nicht automatisch demokratischer", ist Ursula Maier-Rabler überzeugt. Für die Leiterin des Salzburger ICT&S (Center for Advanced Studies and Research in Information and Communication Technologies & Society, Studienzentrum für Informations- und Kommunikationstechnologien und Gesellschaft), die sich mit Partizipation im Internet beschäftigt, hat das digitale Netz aber ein großes Potenzial.

Immerhin werden die Kanäle, durch die Menschen an Informationen gelangen und diese verbreiten können, durch das Internet vervielfältigt. Doch: "Diejenigen, die einen besseren Zugang haben und über die Nutzung besser Bescheid wissen, werden tendenziell bevorzugt."

So ist die Teilhabe am digitalen Meinungsbildungsprozess durch die Nutzung des Internets beziehungsweise durch die Teilnahme an sozialen Netzwerken nicht alleine abhängig vom technischen Zugang zum Netz. Wichtiger ist es zu wissen, wie man an Informationen herankommen kann, wie diese einzuschätzen sind oder wie man selbst Informationen verteilen oder Inhalte produzieren kann.

Nicht Alter, sondern Wissen als Hürde für Beteiligung

Die Auswertung der Daten von über 41.000 Amerikanern durch die Forscherin Jen Schradie an der Universität Berkeley (Kalifornien) hat zum Beispiel ergeben, dass sich weniger als zehn Prozent dieser Menschen am Produktionsprozess von Online-Inhalten beteiligen. Die Untersuchung, die im Juni vorgestellt wurde, legt auch nahe, dass die Ausgrenzung von Menschen vom digitalen Meinungsbildungsprozess nicht vom Alter abhängig ist, sondern vom Grad der Ausbildung. So posten US-College-Absolventen Online-Bewertungen oder Comments mit dreifach höherer Wahrscheinlichkeit als User mit einem Highschool-Abschluss. Auch Maier-Rabler sieht nicht im Alter das vorrangige Problem, die Altersgrenze für das Internet habe sich zu den Über-70-Jährigen verschoben. Vielmehr macht auch ihrer Erfahrung nach vor allem die Bildung einen Unterschied.

Eine Studie mit 14-Jährigen zeigte, dass es hier große Unterschiede zwischen Hauptschülern und Gymnasiasten bei der Nutzung sozialer Netzwerke gibt. Auch können die Jugendlichen diese zwar nutzen, sie besitzen ein Profil und laden Videos herunter. In der Benutzung der Technologien sind sie aber keineswegs sattelfest. So zeigte sich in der Untersuchung auch, dass die Jugendlichen eine schlechte Recherchekompetenz haben und Quellen nicht einschätzen können, es ist ihnen nicht klar, woher Informationen kommen. Hier sind für Maier-Rabler die Schulen gefordert, um Bewertungs-, Einschätzungs- und Quellenkompetenz zu vermitteln.

Während es bei den Jungen darum geht, den Umgang mit den sozialen Netzen zu lernen, bedarf es bei den über 50-Jährigen einer besonderen Motivation, damit sie sich am digitalen Meinungsaustausch beteiligen und nicht ausgegrenzt werden. Wenn sie ihre Teilnahme als Chance sehen und sie die Erfahrung machen, dass sich ein Engagement auszahlt, steigt die Bereitschaft dazu. Damit das Internet beziehungsweise digitale soziale Netzwerke zu mehr Demokratie beitragen, braucht es laut Maier-Rabler mehr Partizipation in der Gesellschaft.