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Netzwerke sollen europäische Elite-Uni ersetzen

Von WZ-Korrespondent Wolfgang Tucek

Europaarchiv

"European Institute of Technology" wird nicht Realität. | Brüssel. Das ursprünglich von Kommissionspräsident José Manuel Barroso als EU-Spitzenuniversität präsentierte European Institute of Technology (EIT) nimmt eine andere Gestalt an. Die Mitgliedsstaaten stehen offenbar kurz vor einer Einigung auf "Netzwerke zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen, Unternehmen sowie weiteren Akteuren aus Bildung und Innovation", die durch einen Verwaltungsrat koordiniert werden sollen. Noch vor Mitte Juni könnte der Kompromiss stehen, sagte Wilfried Kraus, der die Verhandlungen der Mitgliedsstaaten auf Beamtenebene leitet. Zwei bis drei der "Knowledge and Innovation Communities" (KICs) genannten Netzwerke könnten in der ersten Ausbaustufe gebildet werden. Diese seien als "Netzwerke, die zu Partnerschaften werden", konzipiert, erklärte Bildungskommissar Jan Figel am Dienstag.


Problematisch bleiben die Finanzierung des Projekts und die ausreichende Unabhängigkeit des Verwaltungsrats, mahnte Georg Winckler, Rektor der Wiener Wirtschaftsuniversität, im Namen des Europäischen Universitätenverbands. Könne der neue Rat den Fokus nicht selbst entscheiden, werde es wohl schwierig, entsprechend angesehene Schwergewichte für den Job zu gewinnen. Das sei für die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit aber nötig.

308 Millionen Euro - ursprünglich war Barroso ein Gesamtbudget von 2,5 Milliarden vorgeschwebt - wolle man vorerst für 2008 bis 2013 bereitstellen, so Kraus. Bis 2012 müssten weitere Mittel aufgetrieben werden, wenn der Aktionsspielraum ausgeweitet werden soll. Kraus räumte ein, dass die ursprünglich eingeplante 50-prozentige Kofinanzierung durch die Industrie deutlich über den tatsächlich erzielbaren Beiträgen gelegen sei. Die Erwartungen seien auf einen Zuschuss von 20 bis 30 Prozent aus der Privatwirtschaft heruntergeschraubt worden. Unklar bleibt, woher das Geld kommen soll.

Die Kommission kann sich den EU-Budgetposten zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit als Quelle vorstellen. Das Parlament hat starke Zweifel: Bereits bestehende Programme könnten darunter leiden. Winckler findet die im Raum stehende Summe überhaupt zu niedrig.

Einig seien sich die Mitgliedsstaaten dagegen, dass das EIT entgegen früheren Überlegungen der Kommission keine eigenen Diplome ausstellen wird dürfen, berichtet Kraus. Die beteiligten Universitäten könnten jedoch ein "EIT-Label" auf ihre Zeugnisse anbringen.

Um den Sitz des Verwaltungsrats hat sich auch Wien beworben. Mit im Rennen sind Budapest und Breslau. Für eine Entscheidung sei es allerdings noch zu früh, sagte Figel.