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Neu entdeckter Pflanzenstoff wirkt lebensverlängernd

Von Alexandra Grass

Wissen
© Ivanc7 - stock.adobe.com

Substanz löst den körpereigenen Zellreinigungsprozess aus


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Wien/Graz. Der menschliche Körper besitzt die Fähigkeit, schadhafte Zellen oder Zellbausteine selbst abzubauen oder einem Recyclingprozess zuzuführen. Das ist nötig, um gesund und auch länger jung zu bleiben. Denn finden die Autophagie genannten Prozesse nicht statt oder nur unsorgfältig, können sich Krankheiten entwickeln und der Alterungsprozess schreitet schneller voran. Fasten kann diesen Reinigungsmechanismus auslösen, aber auch bestimmte Substanzen wie etwa Spermidin. Nun haben Forscher der Universität Graz einen weiteren neuen Naturstoff identifiziert, der die Autophagie anfeuert.

Es ist ein Zusammenspiel von Proteinen, das dafür sorgt, dass kaputte Bestandteile einer Zelle oder Krankheitserreger, welche eine Zelle befallen haben, entfernt werden. Gleichzeitig hilft dieser Prozess der Zelle aber auch bei Nahrungsmangel. Tritt ein solcher auf, werden zelleigene Bestandteile recycelt und zur Energiegewinnung verwendet. Schon eine Nahrungsabstinenz von zumindest 15 Stunden kann diesen Effekt der Autophagie auslösen.

Grazer Forscher um den Molekularbiologen Frank Madeo hatten bereits 2009 herausgefunden, dass Fasten auch ohne Fasten möglich ist - nämlich unter Mithilfe natürlicher Substanzen. Dazu zählt etwa das Polyamin Spermidin, das nicht nur in hoher Konzentration in der Samenflüssigkeit des Mannes vorkommt, sondern auch in Lebensmitteln. Es ist unter anderem in Weizenkeimen, Pilzen oder gereiftem Käse enthalten und hat den Forschern zufolge schützende Wirkung auf Herz und Gehirn. Aber auch Kaffee setzt die Zellabfallbeseitigungsmaschinerie in Gang.

Zellreinigungseffekt

Nun haben die Grazer Wissenschafter mit einem weiteren Stoff die Palette bereichert. Nicht allen Personengruppen sei es möglich, regelmäßig zu fasten, schreiben die Forscher in der im Fachmagazin "Nature Communications" publizierten Arbeit. Daher wird auch weltweit nach solch pharmakologischen Alternativen gesucht. Im Rahmen der Studie wurden rund 200 Stoffe auf deren Fähigkeit hin geprüft, das zelluläre Altern zu verlangsamen. Mit 4,4’-Dimethoxychalcone, kurz DMC, hat sich ein Stoff herauskristallisiert, der die Autophagie auslösen und dadurch die Lebensspanne verschiedener Organismen verlängern kann. "Wir haben mehrere weitere Kandidaten gefunden, aber das ist die Top-Substanz", so Studienautorin Didac Carmona-Gutierrez vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Uni Graz.

"Die Substanz DMC induziert in verschiedenen Organismen, von Hefe über Würmern und Fliegen bis zu humanen Zellkulturen, den gesundheitsfördernden Zellreinigungseffekt." Das aus mehr als 40 Forschern bestehende Konsortium hat auch festgestellt, dass DMC einen schützenden Effekt auf das Herzgewebe von Säugetieren hat.

Gefunden haben Forscher um Frank Madeo die Substanz in einer Heilpflanze der traditionellen asiatischen Medizin namens Ashitaba. Diese blühende Pflanzenart aus der Karottenfamilie wird mit wissenschaftlichem Namen Angelica keiskei genannt. Die auch als Engelwurz bezeichnete Spezies wird in Japan schon länger als Verjüngungsmittel verwendet. Ihre Inhaltsstoffe sollen helfen, Stress abzubauen, Muskel- und Gelenkschmerzen vorzubeugen und das Immunsystem zu stärken.

Durch welchen molekularen Mechanismus DMC die Zelle anregt, die Autophagie einzuschalten, ist noch nicht ganz geklärt. Es dürfte allerdings ein spezieller Transkriptionsfaktor dahinterstecken, der bisher nicht mit Zellreinigungsprozessen in Verbindung gebracht wurde. Dieser soll nun näher untersucht werden.