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Neubau von AKW rechnet sich nicht

Von Harald Waiglein

Wirtschaft

Gaskonflikt bringt neue Diskussion über Kernkraft. | Experten: Ohne Subventionen nicht wettbewerbsfähig. | Wien/Boston. Die kurzfristige Verringerung russischer Gasexporte nach Europa hat in Deutschland eine neue Debatte über den Ausstieg aus der Atomkraft ausgelöst. Die Unionsparteien forderten erneut ein Überdenken der Ausstiegspläne.


Die CDU/CSU steht mit ihrer Forderung in Europa nicht alleine da. Schon im Vorjahr hat der britische Premier Tony Blair angekündigt, dass Großbritannien im Rahmen einer neuen Energiestrategie auch den Bau neuer Atomkraftwerke (AKW) prüfen werde. In Finnland wurde vergangenes Jahr der Grundstein für den ersten AKW-Neubau in Europa seit einem Jahrzehnt gelegt. Und auch in Frankreich hat das Parlament die Errichtung eines Reaktors bereits beschlossen, der 2012 in Betrieb gehen soll.

Unwirtschaftlich

Experten sind allerdings skeptisch, ob eine Renaissance der Atomkraft wirtschaftlich sinnvoll ist. Das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) kam 2003 in einer gemeinsamen Studie mit der US-Universität Harvard zum Schluss, dass Atomenergie ohne staatliche Subventionen in einem deregulierten Strommarkt derzeit nicht wettbewerbsfähig ist. Dasselbe Ergebnis brachte eine Studie des britischen Royal Institute of International Affairs.

Ein Problem sind die hohen Kapitalkosten beim Neubau von AKW. Bei bereits bestehenden Kraftwerken sind diese längst abgeschrieben. Daher können diese Atomstrom auch vergleichsweise günstig produzieren. Bei einem Neubau müsste man aber mit bis zu viermal so hohen Baukosten und etwa der doppelten Bauzeit rechnen wie bei einem Gaskraftwerk mit vergleichbarer Leistung.

Hohe Risiken

Ein weiteres Problem sind finanzielle Vorsorgen für Risiken wie Endlagerung von Atommüll oder illegale Verbreitung von Nuklearmaterial. Für Private sind solche Risikovorsorgen nicht finanzierbar. Nur mit Staatsgarantien werden Bauvorhaben wirtschaftlich.

In Finnland beharrt man darauf, dass der Bau des neuen AKW rein privat finanziert wird und sich trotzdem rechnet. Ob das tatsächlich so ist, ist aber zumindest fraglich: das Baukonsortium TVO hat sechs Aktionäre. Einer davon ist ein Versorgungsunternehmen im Staatsbesitz, andere sind Gemeinden. Die Aktionäre sind gleichzeitig die einzigen Stromabnehmer des neuen AKW. Gebaut wird die Anlage zu einem Fixpreis vom französischen Staatskonzern Areva. Fallen die Baukosten höher aus, werden sie von Areva getragen - mit Ausfallshaftung des Staates.