Zum Hauptinhalt springen

"Neue Ära für neue Helden"

Von Stefan Beig

Politik
"Bin in alle Discos reingekommen", betont Mugiraneza.

Mit neun Jahren ist er aus Burundi geflohen und in Linz aufgewachsen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

"Wiener Zeitung":Wollten Sie schon immer Musiker werden?Cedrick Mugiraneza: Das war immer mein Ziel. Eigentlich wollten wir gleich einen Monat nach dem "Ösi Bua"-Lied eine Single aufstellen. Doch das hat sich verzögert wegen des unerwarteten Erfolgs. Täglich gibt es 10.000 Klicks auf das YouTube-Video, Tendenz steigend. Neben Österreich kommen viel Zugriffe aus Ungarn und Deutschland, besonders aus Bayern. Das Feedback ist zu 90 Prozent positiv.

Sie touren schon durch Österreich?

Seit 10. Februar bin ich live unterwegs. Bisher bin ich fünf Mal aufgetreten, etwa beim Wurm-Festival in Oberösterreich, gleich auf der Hauptbühne, was für mich eine besondere Ehre war. Jetzt fängt es erst so richtig an mit Live-Auftritten. Ich habe einen Plattenvertrag, eine zweite Single wird kommen und ein Album - in diesem Jahr. Aus anfänglichem Spaß ist eine "Ernsthaftigkeit" geworden.

Wollen Sie uns mehr verraten?

Die Lieder werden ganz auf die jungen Leute ausgerichtet sein. Um die mitzunehmen, wollen wir so verständlich wie möglich sein. Eine neue Ära soll in Österreich beginnen. Es sollen Party-Hymnen werden, aber im Sinne eines österreichischen Alpen-Stils. Wir wollen die österreichische Kultur etwas hochhalten, vermischt mit Elektro-Beat - partymäßig, aber typisch österreichisch.

Wie soll die neue Ära ausschauen?

Die Jungen sollen zeigen, dass auch sie eine Botschaft haben. Wir sind die Zukunft! Ich bin ein Typ, der nicht gerne meckert. Leider geschieht das gerade jetzt sehr oft. Junge Leute fühlen sich oft erniedrigt durch die Politik, aber es wird zu viel gemeckert. Die Jungen sollen zeigen, dass sie eine Kraft haben. Unsere Zukunft hängt von uns ab. Wir sind Teil des Systems.

Was ist "typisch österreichisch"?

Der typische Österreicher ist einer, der eine große Portion Humor hat, hart arbeitet, aber trotzdem nicht vergisst, sein Leben zu leben, und der sehr loyal ist.

Kann es sein, dass Sie sich da etwas an Oberösterreich orientieren?

Ich bin in Oberösterreich aufgewachsen! Jeder muss sein eigenes perfektes Österreich finden. Ich bin am Land groß geworden und das ist für mich Österreich. Aber ein Großteil Österreichs lebt ja von seiner Landschaft; insofern ist das auch typisch österreichisch.

Wie schlägt sich das "Österreichische" in Ihrer Musik nieder?

Das Moderne in den österreichischen Schlagern wird mit Elektro-Beats verbunden. Wir werden viel die Quetschn (Ziehharmoniker) reinnehmen und den Bass.

Hatten Sie nie Probleme mit Rassismus in Österreich?

Natürlich gibt es Rassismus, wie in jedem Land. Meine Verwandten in Belgien und Frankreich erleben tagtäglich Angriffe. Mir geht’s gut hier. Wenn ich Rassismus erlebt habe, bin ich ihm natürlich schon entgegengetreten. Aber das sind für mich nur Momente, das ist für mich nicht Österreich. Das Positive dominiert.

Sie hatten keine Probleme, in die Discos hineinzukommen?

Ich bin überall in alle Discos reingekommen.

In der Öffentlichkeit wollen Sie sich nicht anti-rassistisch engagieren?

Mir ist wichtig, dass sich zuerst alle an einen Tisch setzen und miteinander reden. Wir sind alle Teil des Systems. Solange Du das bist, musst Du auch dafür arbeiten. Das ist der richtige Weg. Wer sich hingegen von vornherein nur in eine einzige, ganz bestimmte Richtung orientiert, der richtet sich gegen das System.

Tut das der Anti-Rassismus?

Ich kann jemanden nicht überzeugen, wenn ich ihn schlechtmache. Weniger Vorwürfe im Vorfeld fände ich gut. Zuerst sollte man miteinander reden. Ansonsten bleibt es ungewiss, ob sich jeder als Teil des Systems sieht.

Welche Musik haben Sie in Ihrer Kindheit gehört?

Alles: ob Hip-Hop, Klassik, Pop oder Soul. Einfluss hatte mein um sieben Jahre älterer Bruder auf mich, der DJ und Produzent ist.

Der Zufall hat Sie und Ihre Familie nach Österreich geführt?

Ja. Mein Vater wollte Ruhe für seine Familie finden, irgendwo in Europa. Wir haben Burundi aus politischen Gründen verlassen. In Österreich haben wir nach ein paar Jahren die Staatsbürgerschaft gekriegt. Wir wollen diesem Land das zurückgeben, was es uns gegeben hat. Wir waren und sind ihm sehr dankbar.

Österreich in fünf Jahren - was wünschen Sie sich bis dahin?

Dass die Jugend keine Vorurteile mehr kennt. Dass jeder, der für das Land hart arbeitet, angenommen wird. Dass wir eine neue Ära haben, mit neuen Helden, die was für das Land leisten.