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Neue Formen, alte Inhalte

Von Ina Weber

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Die Fernsehzuseher von heute sind keine Zuseher mehr, sie sind User. Die Zeitungsleser sind keine Leser mehr, sondern Konsumenten. Radiohörer sind nicht mehr nur Hörer, sondern auch Zuseher via Live-Stream. Die Welt der Medienmacher ist mit der Erfindung der sozialen Netzwerke um viele Kanäle reicher geworden. Die Inhalte allein deshalb aber nicht besser.


Die Web-Auftritte der TV-Sender sind voll gepackt mit Kästchen, die von neuen TV-Sendungen bis zu neuen Aktionen alles ankündigen und das möglichst einfach, möglichst schmackhaft. Der österreichische Privatsender Austria9 etwa hat ganz tief gegriffen und kündigt auf seiner Homepage eine Casting-Show zur "Miss Offroad" an, zu der man sich ab jetzt bewerben könne. Die Bilder erinnern an jene, wie sie in Auto-Zeitschriften und Porno-Heften zu finden sind: mit Motoröl beschmierte Frauenkörper, leichtbekleidete Damen, die sich an die Kurven des Autoblechs schmiegen. "Haben Sie nicht auch schon immer davon geträumt", so der einleitende Text. Und weiter geht es mit dem guten Geschäft mit den Frauen: "Du bist hübsch, motiviert und brauchst ein neues Auto? Dann könnte 2011 dein Jahr werden! Du solltest natürlich eine Schwäche für Action, Mode und Rampenlicht haben." Und, Anmerkung der Autorin: für Prostitution.

Österreichs viertgrößter Sender Puls4 steht seinem Kollegen bei reißerischen Themen um nichts nach. Die Sendung "Österreichs schockierendste Verbrechen" kann auf der Homepage mit "Gefällt mir"- oder "Genial"-Button bewertet werden. ATV präsentiert sich zwar aufgrund seiner politischen Berichterstattung seriöser, doch zählen auch hier vor allem Boulevard-Themen und Meinungsmache. Neue Formen geben eben nicht automatisch neue Inhalte.