Zum Hauptinhalt springen

Neue Front im Terror-Kampf: Obama riskiert Talibanisierung des Jemen

Von Michael Schmölzer

Analysen

Im Jemen herrscht Ruhe vor dem Sturm: Viele westliche Botschaften haben in der Hauptstadt Sanaa ihre Pforten geschlossen, man befürchtet - nicht unberechtigt -, zum Anschlagsziel für Terroristen zu werden. Am Wochenende tauchte in einer Blitzaktion Top-General David Petraeus bei Präsident Ali Abdallah Saleh auf, um diesen zu informieren, wo und wann die USA Militäraktionen gegen die Al Kaida wünschen. Denn während die Vereinigten Staaten jahrelang den Kampf gegen den Terror im Irak und in Afghanistan geführt haben, ist die Al Kaida in das bitterarme Land am Südzipfel der Arabischen Halbinsel ausgewichen. Das ist seit dem verhinderten Flugzeug-Attentat von Detroit klar.


Die Bedingungen im Jemen sind für Terroristen ideal. Die zentrale Staatsmacht ist schwach und korrupt, ähnlich wie in Somalia und im Norden Pakistans gibt es zahlreiche Plätze, wo autonome Stammesführer regieren und Armeesoldaten nur beschränkten Zutritt haben.

Für US-Präsident Barack Obama bietet die neue Front im Kampf gegen den Terror beträchtliche Chancen, sie birgt aber auch erhebliche Risiken. Denn während er die Problemfälle Irak und Afghanistan von seinem Vorgänger George W. Bush geerbt hat - in beiden Ländern ist der Karren hoffnungslos verfahren -, gibt es im Jemen noch Handlungsspielraum.

Wenn die USA im Verein mit jemenitischen Regierungstruppen lokal begrenzte Schläge gegen Terror-Basen durchführen, könnte Obama das als Erfolg verkaufen und den Republikanern, die ihm Schwäche im Anti-Terror-Kampf vorwerfen, Wind aus den Segeln nehmen.

Andererseits besteht das Risiko, dass angesichts US-gesteuerter Militäreinsätze radikale Islamisten im Jemen Aufwind bekommen. Der Hass auf die USA ist dort bereits weit verbreitet und eine Talibanisierung des Jemen wäre das letzte, das Barack Obama jetzt brauchen könnte.

Siehe auch:Jemen: Angst vor Attentaten wächst