Zum Hauptinhalt springen

Neue Geräte für extrascharfe Bilder

Von Alexandra Grass

Wissen
Die Magnetresonanztomographie wird immer effektiver.
© © © Darren Kemper/Corbis

Dreiländertagung "Medizin Physik 2011". | Bildgebungsverfahren werden verschmolzen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 12 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Wien. Gestochen scharfe Bilder aus dem Körperinneren, die sogar die Blutgefäße in Tumoren erkennen lassen. Robotertische, die Lageveränderungen während einer Bestrahlungsbehandlung registrieren und kompensieren, um zielgenauer therapieren zu können. Solche Innovationen hat die Medizinphysik zu bieten, um künftig optimiertere Therapien und Diagnoseverfahren vor allem bei Tumorerkrankungen zu ermöglichen.

Ob Radioonkologie, MR-Bildgebung oder medizinische Bildverarbeitung - Experten aus diesen Bereichen treffen noch bis Samstag im Rahmen der Dreiländertagung "Medizin Physik 2011" in Wien zum interdisziplinären Erfahrungsaustausch zusammen.

Mithilfe modernster Diagnosegeräte und computerunterstützter Therapieplanung ist es möglich, eine Strahlentherapie entsprechend der Tumorform räumlich zu optimieren, erklärte der Tagungspräsident und Leiter der Abteilung für Medizinische Strahlenphysik an der Uniklinik Wien, Dietmar Georg, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

So kommt es aufgrund von Atembewegungen oder der Füllmenge etwa der Harnblase immer wieder zu Lageveränderungen eines Tumors zwischen den, aber auch während der Bestrahlungseinheiten. Dank der neuen Technologien ist es möglich, das benachbarte gesunde Gewebe so weit wie möglich zu schonen, den Tumor präziser und mit höheren Dosen effizienter zu bestrahlen und dabei gleichzeitig die Therapiezeit zu verkürzen.

Bei einem Prostatakarzinom etwa werden drei Goldkügelchen in die Prostata eingebracht, um die Tumorbewegungen am Computer überwachen zu können. Die Medizinphysiker sprechen dabei von der vierten Dimension beim Bildgebungsverfahren.

Die jüngste Generation von High-Tech-Geräten bei der strahlenfreien Magnetresonanztomographie (MRT), bei der Schnittbilder der Weichteile produziert werden, kann förmlich "in den Körper hineinhorchen", wie Laura Schreiber, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für medizinische Physik, betonte. Hochfeld-Tomographen, die mit zwei- bis dreimal stärkeren Magneten als die üblichen Geräte ausgestattet sind, liefern extrem scharfe Bilder. Besondere Vorteile erwartet man sich bei der Diagnostik von Gehirntumoren. Derzeit laufen noch klinische Studien. "Man muss erst lernen, mit diesen komplexen Geräten umzugehen" und herausfinden, was man mit diesen Detailinformationen tatsächlich alles anfangen kann, so Schreiber.

In der Diagnostik werden derzeit schon verschiedene Bildgebungsverfahren, wie etwa die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) - hier werden Stoffwechselprozesse im Körper sichtbar, etwa auch Tumorwachtumsgrenzen -, mit der Computertomographie (CT), die Schnittbilder von den Knochen zeigt, verschmolzen. Die neueste Kombination ist ein MR-PET-Gerät, das viele Forschungsmöglichkeiten eröffnet, betonte Georg. Die Meduni Wien soll schon bald über ein solches Gerät verfügen.

"Durch die Fusion all dieser Informationen kann die Behandlungsstrategie vor allem in der Radioonkologie exakt geplant werden", erklärte Wolfgang Birkfellner vom Zentrum für Medizinische Physik an der Meduni Wien.

Vermehrt Strahlen ausgesetzt

Vor einer Zunahme der medizinischen Strahlenexposition warnte Gunnar Brix vom Institut für Medizinische Strahlenhygiene an der technischen Uni München. Dies ist vor allem auf den zunehmenden, teils auch unkritischen Einsatz der CT zurückzuführen. Während bei Krebspatienten der Nutzen dieser Untersuchungen die Risiken bei weitem überwiegt, ist dies etwa bei Patienten mit koronaren Herzerkrankungen nicht immer der Fall, so Brix.

Mit besonderer Sorge beobachten Experten den zunehmenden Einsatz zur Früherkennung von Erkrankungen, obwohl keine Symptome vorliegen, "da damit aus derzeitiger Sicht keinerlei Vorteil verbunden ist". Hier würden oft monetäre Aspekte eine Rolle spielen. Wenn speziell bei Privatpatienten dieses Verfahren besonders häufig eingesetzt wird, profitiert natürlich der Arzt, so Brix. Das Ziel der Weiterentwicklung ist eine Optimierung der Untersuchungen, um die Dosis für den Patienten so gering wie möglich zu wählen, um die gewünschte Information zu bekommen.