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Neue Kraftwerke lieber im Ausland

Von Veronika Gasser, Lyon

Wirtschaft

Der Verbund, Österreichs größter Stromkonzern, hat seine Strategie gewechselt. War bis vor kurzem noch der Bau eines Gaskraftwerks im steirischen Mellach so gut wie fix, sind plötzlich Standorte im Ausland wie Slowenien oder Italien viel attraktiver. Der einstige Monopolist sieht sich nicht mehr verpflichtet, neue Kapazitäten in Österreich bereitzustellen.


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Verbund-Chef Hans Haider läßt aufhorchen: "Wir haben nichts dagegen, die Österreicher mit Strom zu versorgen, aber nicht um jeden Preis." Nichts sei mobiler als Geld, sagt Haider und setzt nach: "Wir investieren nur dort, wo es sich rechnet". Haider scheint wie befreit von der Bürde, die Stromversorgung in Österreich sichern zu müssen. Dafür sei mittlerweile der Energieregulator zuständig, meint er süffisant. Hintergrund der Überlegung, die aber nie explizit angesprochen wird, ist folgender: Einerseits will der Verbund mehr Verschmutzungsrechte für Mellach, andererseits auch eine Änderung des Ökostromgesetzes, damit auch die grösseren Wasserkraftanlagen des Verbundes davon profitieren.

"Wir sind ins Ausland gegangen, weil wir dort besser verdienen." Es scheint, als wolle der Verbund inständig gebeten werden, doch noch in Österreich tätig zu werden. Haider ziert sich jedenfalls und spricht davon, dass Italien ob der dort erzielbaren hohen Strompreise derzeit ein weitaus attraktiverer Standort für neue Kraftwerke sei als Österreich.

Dasselbe gelte für den Stromimporteur Slowenien. Dort könnte schon demnächst mit der Errichtung eines neuen Gaskraftwerkes begonnen werden. Schon deshalb, weil die Genehmigungsverfahren in sehr kurzer Zeit abgewickelt werden. Bereits jetzt hat der Verbund im südlichen Nachbarland einen Marktanteil von 17%, der durch eine neue 800 Megawatt-Anlage gesteigert werden könnte.

In Italien baut der Verbund derzeit zwei ebenso große Gaskraftwerke, doch möglicherweise folgen weitere. Denn der Verbrauch wachse pro Jahr um 10 Terawattstunden, und das Land könne den Stromhunger nicht alleine stillen. Österreich komme erst dann als Standort in Frage, wenn der künftige Strompreis die Kosten der Investition und der dafür benötigten Emissionszertifikate einbringe.

Es ist aber nicht so, dass der Verbund sich die Ausgaben nicht leisten kann. Haider ruft in Erinnerung, dass das Ergebnis des letzten Jahres mit 320 Mill. Euro "ausnehmend gut verdient" war und das Unternehmen weniger investiert als abgeschrieben habe. Trotzdem werde jede weitere Ausgabe - Mellach würde 400 Mill. Euro kosten - wohl überlegt.