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Neue Lehrberufe unter der Lupe

Von Beatrix Neiss

Politik

Schule oder Lehre? - Speziell gegen Schulschluss stellt sich wieder einmal bei vielen Eltern und SchülerInnen diese Frage. Im Lehrbereich ist vor allem das Angebot für die so genannten "neuen Lehrberufe" im EDV-Bereich verlockend. Die "Wiener Zeitung" hat versucht herauszufinden, was hinter diesen neuen Berufen steckt.


Die neuen Lehrberufe versprechen rasches Geld und Unabhängigkeit, Faktoren, die für so manchen Jugendlichen entscheidend sind, sich von der Schule endgültig zu verabschieden. Waren in traditionellen Berufen wie BäckerIn, GärtnerIn, TischlerIn oder ähnlichem die handwerklichen Fähigkeiten für die Entscheidung zur Lehre ausschlaggebend, hat sich dies eklatant verändert: Die EDV-Branche mit den verschiedensten Berufsbildern ist für einen angehenden Lehrling eher ein Labyrinth als eine erfreuliche Zukunftsaussicht.

"Die Betriebe müssen erst das Vertrauen gewinnen, dass es Sinn macht, Lehrlinge auszubilden", bringt es Alfred Freundlinger vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" auf den Punkt. Die Berufsinformationszentren (BIZ) bezeichnen die Situation wie folgt: "Auf eine Lehrstelle kommen in Wien rund 80 Bewerbungen - und das bei insgesamt 14 Lehrbetrieben." Die Chancen, einen geeigneten Lehrplatz über die offiziellen Stellen zu erhalten, sind demnach relativ gering.

Die Wirtschaftskammer verzeichnet zur Zeit 57 bestehende Lehrverträge alleine für den "neuen Lehrberuf Medienfachmann/fachfrau - Mediendesign." Aufgeteilt nach Branchen entfällt der größte Anteil auf die Fachgruppe "Werbung" mit 34 Lehrverträgen, gefolgt von "Unternehmensberatung" (12), "Druck" (2), "Papier und Pappe" (1), "Audio und Filmindustrie (2), Handel (1) sowie, im Bereich der Nicht-Kammer-Mitglieder, "Druckschriften" (5). Wie kommt der angehende Lehrling dann zu einem geeigneten Lehrbetrieb, der die Befähigung besitzt, ihn gerade für das neue Berufsbild "Medienfachmann/frau - Mediendesign" auszubilden? Das ibw gesteht ein: "Es ist richtig, dass es zur Zeit gewisse Übergangsprobleme in der Ausbildung gibt. Gerade weil die Lehrherrn meist vom so genannten nicht-formalisierten Ausbildungsweg kommen, herrscht in dieser dynamischen Branche noch Unklarheit." Die Tradition der Lehrlingsausbildung sei in der EDV-Branche nicht gegeben.

Laut ibw existiert zur Zeit das Modell der "Flexibilisierung". Es handelt sich dabei um eine "Modularisierung der Ausbildung" mit Verlängerung der Lehrzeit bzw. Wahlschwerpunkten und inhaltlichen Vertiefungen je nach Stärken und Fähigkeiten der Lehrlinge verstanden, erläutert Freundlinger. Das flexible Modell sei bereits im Einzelhandel erfolgreich angewendet worden. Im EDV-Bereich finden "laufend Modernisierungen" statt.

Das ibw ist zuständig für die Erstellung der Curricula für die Ausbildung von Lehrlingen im Unternehmen und reagiert auch "auf die Signale der Wirtschaft". So sollen ab 2003 gewisse EDV-Berufsbilder nach ihrer Evaluierung zusammengefasst werden. Es könnte dadurch ein "schlüssiges System" auch für die "neuen Lehrberufe" erreicht werden, verspricht sich das ibw. Denn die wichtigste Frage für den angehenden Lehrling ist, wo er eine gute Ausbildung erhält, so Freundlinger.

Der Lehrling bleibt mit der Suche allerdings ziemlich allein gelassen, da sich ein adäquater Lehrbetrieb im Handel, in der Industrie oder sonstigen Fachbereichen befinden kann. Der Bedarf wird von den Lehrbetrieben beim AMS gemeldet, aber meistens "hat der Betrieb durch andere Kanäle bereits einen Lehrling gefunden". Auf der anderen Seite wird dem AMS zwar eine suchende Stelle gemeldet, es handelt sich hier wiederum, so Freundlinger, "um Doppelmeldungen für Schule und eventuelle Lehre." Die Zahlen sind somit wenig aussagekräftig über den tatsächlichen Markt. Die Zukunft liegt, laut ibw, "weg von den rein formalisierten Voraussetzungen eines Berufes. Was ich kann, das zählt" lautet der Trend des Marktes, resümmiert Freundlinger auch in Bezug auf die Anrechenbarkeit innerhalb der EU.

Fremdsprachenausbildung

Im "Europäischen Jahr der Sprachen 2001" wird der Fremdsprachenausbildung in Österreichs Lehrbetrieben ein umso größeres Augenmerk geschenkt. Im Rahmen der Aktion "Fit for Future" werden heuer zum zweiten Mal innovative Aktivitäten wie Telelearning oder Auslandsaufenthalte, die die Unternehmen zur Verbesserung der Fremdsprachenkenntnisse ihrer Lehrlinge fördern, prämiert.

Weitere Infos gibt es beim ibw unter Tel. 01/545 16 71/24 DW.