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Neue ORF-Direktoren: Dream Team oder Mühlstein um Wrabetz Hals?

Von Bernhard Baumgartner

Analysen

Nun ist auch die Führungsmannschaft des ORF vom Stiftungsrat des Unternehmens gewählt worden. Die fünf Herren und eine Dame haben die Aufgabe, mit dem neuen Chef Alexander Wrabetz gemeinsam den ORF aus der Krise, in die er zuletzt geschlittert ist, zu führen. Natürlich ist es Unfug, dieses Team als "Wrabetz Team" zu bezeichnen. Denn Wrabetz hat sich die Herrschaften ja nicht selbst ausgesucht. Hätte er freie Hand gehabt, wäre die Zusammenstellung wohl ganz anders ausgefallen - obwohl der neue ORF-Chef diesen Eindruck vermeiden muss - und wird.


Vielmehr ist sein Team der kleinste gemeinsame politische Nenner, auf den sich seine Regenbogenkoalition (samt Teilen der ÖVP) einigen konnte: Es ist kein Geheimnis, dass der Kärntner Landesdirektor Willy Mitsche als Konzession an Jörg Haider im Team sitzt. Auch Elmar Oberhauser (Information) und Thomas Prantner (Online) können bestens mit dem BZÖ. Wolfgang Lorenz (Programm) wiederum ist aus dem Stall Gerd Bachers und gilt auf seine kreativ-schräge Art als Bürgerlicher. Peter Moosmann (Technik) wiederum ist ein Signal an die SP-Betriebsräte und Sissy Maierhofer wiederum gilt als Zugeständnis an die ÖVP. Und wo bleibt eigentlich die SPÖ? Nun, sie stellt mit Wrabetz den Chef. Das muss offenbar reichen.

Das Sextett ist der Preis, den Wrabetz für seine Wahl durch die Regenbogenkoalition (SPÖ, BZÖ, FPÖ, Grüne) zahlen musste. Mehr war nicht möglich. Während Lorenz und Oberhauser zumindest fachlich über jeden Zweifel erhaben sind, finden sich manche, die diese Zusammenstellung als "Gruselkabinett" titulieren. Immerhin wurde im letzten Moment noch der Kärntner Radio-Chef Willy Haslitzer gegen Willy Mitsche getauscht. Vor allem dem wieder aus der Versenkung aufgetauchten Technikchef Moosmann ist zu wünschen, dass er ob seines ruppigen Führungsstils (dass man darüber stolpern kann, bewies zuletzt Chefredakteur Werner Mück) und seines großzügigen Umganges mit Budgets glücklicher agiert, als unter ORF-General Gerhard Weis.

Auch Thomas Prantner, einst Pressesprecher von Weis sowie zuletzt auf dem Chefsessel des im ORF eher schaumgebremst agierenden zentralen Marketings, ist bislang noch nicht mit Expertisen zum Thema digitale Contents aufgefallen. Er wird sich zudem erst mit ORF-Online-Chef Franz Manola (der auch diesmal wieder nicht als Direktor zum Zug kam) zusammenstreiten müssen.

Die Aufgaben für die neue Führung liegen jedenfalls auf der Hand: Der ORF fuhr zuletzt bei den Quoten ein veritables All-Time-Low ein, fiel sogar unter die 40-Prozent-Marke. Eine Gebührenerhöhung steht wohl so schnell nicht ins Haus, und die sinkenden Werberlöse können die notwendigen Investitionen in die Zukunft nicht leisten.

Das gute ist jedoch: Als ehemaliger Finanzchef weiß Wrabetz ganz genau, wo noch Einsparungen drin sind. Ob sich das die fünf Betriebsräte überlegt haben, bevor sie für Wrabetz stimmten?

Siehe auch:Die Führungsriege steht