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Neue Sarah Palin und einziges demokratisches Trostpflaster

Von Alexander Dworzak

Politik

Erzkonservative Republikaner sorgen für neue Machtverhältnisse im Senat, Debakel für Obamas Partei auch bei den Gouverneurswahlen.


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Washington/Wien. Sie sind inhomogen wie die USA als Ganzes. Dennoch haben die Bundesstaaten Arkansas, Colorado, Montana, West Virginia, South Dakota, North Carolina und Iowa etwas gemeinsam: Republikanische Kandidaten für den Senat entthronten dort die Demokraten und sorgten dafür, dass die zweite Kammer wieder von deren Parteifarbe Rot dominiert wird.

Die schillernste unter den Gewinnern ist Joni Ernst. "Mutter, Soldatin, Führerin", lautete der Wahlkampfslogan der 44-jährigen Quereinsteigerin. In einem Wahlkampfvideo erzählte sie freimütig, wie sie als Kind auf der elterlichen Farm im ruralen Iowa Schweine kastriert habe. In sozialen Netzwerken wie Twitter wurde Ernst dafür kübelweise virtuell mit Spott überzogen, in der Heimat kam die Bodenständigkeit der Kandidatin gut an. Ebenso wie ihr Zetern, Präsident Barack Obama sei ein "Diktator", Saddam Hussein verfügte doch über Massenvernichtungswaffen und der Klimawandel sei ohnehin Unfug. Wenig erstaunlich daher, dass Sarah Palin, frühere Ikone der Tea-Party-Bewegung, Ernst im Wahlkampf unterstützte. Schon werden konservative Stimmen laut, die Ernst zur Nachfolgerin des lange verglühten republikanischen Sterns Palin küren. Mit 52,2 Prozent der Stimmen setzte sich die Neo-Senatorin gegen den Demokraten Bruce Braley durch und verspricht, gegen die "Verschwender in Washington" vorzugehen.

Drei Amtsinhaber scheitern

Während Braley erfolglos versuchte, den Sitz seines demokratischen Vorgängers zu verteidigen, wurden gleich drei Senatoren von Barack Obamas Partei, die sich zur Wiederwahl stellten, abgewählt. In Arkansas, Heimat von Ex-Präsident Bill Clinton, deklassierte der Republikaner Tom Cotton Mark Pryor und landete 17 Prozentpunkte vor ihm. Mit vier Prozentpunkten Unterschied ging in Colorado das Rennen zugunsten von Cory Gardner aus. Am knappsten setzte sich Thom Tillis in North Carolina durch. In Alaska steht das Endergebnis noch nicht fest, doch wahrscheinlich übernimmt auch im äußersten Nordwesten des Landes mit Dan Sullivan ein Republikaner das Amt von einem Demokraten.

Die Neo-Senatoren setzen ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Arkansas Tom Cotton diente einst im Irakkrieg und ist ein Anhänger von George W. Bushs interventionistischer Außenpolitik. Cory Gardner bezeichnet sich selbst als "neuen Republikaner" und steht Windenergie aufgeschlossenen gegenüber. Andererseits ist er sozialpolitisch extrem konservativ, wollte einst auch die Abtreibung abschaffen - wovon er sich mittlerweile distanziert hat. Beide gelten als Nachwuchshoffnungen der Partei, sie sind erst 37 bzw. 40 Jahre alt.

Deprimierend wie bei den Senatswahlen verliefen auch die in 36 Bundesstaaten abgehaltenen Gouverneurswahlen für die Demokraten. Die liberalen Hochburgen an der Ostküste, Massachusetts und Maryland, wurden ebenso verloren wie Barack Obamas Heimatstaat Illinois. Darüber hinaus brachten die Republikaner auch all ihre Wackelkandidaten durch; sei es in Florida, wo Rick Scott gegen Charlie Crist gewann, sei es in Kansas, Michigan und Maine. Den einzigen demokratischen Erfolg verbuchte Tom Wolf in Pennsylvania. Er löst dort Tom Corbett als Regierungschef ab, dem das hohe Defizit des noch immer von europäischen Einwanderern geprägten Staats zum Verhängnis wurde. Kalifornien bleibt demokratisch regiert, an einem Wahltag wie diesem ist das jedoch nur ein schwacher Trost.