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Neue Ungewissheit in Zypern-Verhandlungen

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

Skepsis zu politischem Kurs von Dervis Eroglu. | Ankara drängt auf Fortsetzung der Zypern-Gespräche. | Nikosia. Manche Gegenrevolutionen finden doch statt. Schon in Umfragen für die Präsidentenwahl in Nordzypern lag Dervis Eroglu voran. Und dass der konservative bisherige Ministerpräsident bereits im ersten Wahldurchgang mehr als die Hälfte aller Stimmen erhalten hat, ist mehr als ein Denkzettel für den abgewählten Mehmet Ali Talat und seine Sozialdemokraten, die bereits bei der Parlamentswahl im Vorjahr Verluste hinnehmen mussten. | Wahlsieg eines Konservativen in Nikosia macht Ankara zu schaffen


Vor sieben Jahren hatten die türkischen Zyprioten genug von der Politik Rauf Denktas, der 30 Jahre lang als Volksgruppenführer gegen eine Wiedervereinigung der geteilten Insel eintrat, und setzten mit der Wahl von Talats Partei auf Verhandlungen mit den griechischen Zyprioten im Süden. Doch die Gespräche gingen nur langsam voran und der in der Zwischenzeit wieder erstarkte Nationalismus brachte nun Eroglu an die Macht. Dieser hatte sich für mehr Rechte für das wirtschaftlich und politisch isolierte Nordzypern stark gemacht.

Dennoch will auch Eroglu den Gesprächsprozess weiterführen. "Niemand soll glauben, dass ich den Verhandlungstisch verlasse", erklärte er nach seinem Wahlsieg. Allerdings stellt er sich als Lösung "zwei Hälften für zwei Völker" vor - was die griechischen Zyprioten, die die Mehrheit im Land bilden, wohl kaum akzeptieren werden.

Die Türkei, das einzige Land, das die Türkische Republik Nordzypern anerkennt, pocht ebenfalls auf weitere Gespräche. Wer auch immer Präsident sei, müsse die Verhandlungen fortsetzen, meinte Premier Recep Tayyip Erdogan. Das Zypern-Problem ist eine der größten Hürden für die Türkei bei ihren Verhandlungen mit Brüssel um eine EU-Mitgliedschaft. Eine "konstruktive Haltung" Eroglus forderte denn auch die Europäische Union ein.

UN pocht auf bisherige Vereinbarungen

Abwarten wollen Vertreter der Vereinten Nationen, unter deren Schirmherrschaft die Gespräche zur Wiedervereinigung geführt werden. Doch wenn der Prozess eine Chance auf Erfolg haben solle, müsse sich Eroglu an die bisher getroffenen Vereinbarungen zwischen Talat und dem griechisch-zypriotischen Präsidenten Demetris Christofias halten, zitiert die Zypriotische Nachrichtenagentur einen UN-Diplomaten.

Politische Erfahrung hat der neue Volksgruppenführer jedenfalls genug. Der 72-jährige Eroglu wurde 1976 für die Nationale Einheitspartei ins Parlament gewählt, und war jahrzehntelang Premierminister im Norden. Vor sieben Jahren musste er in die Opposition gehen, bis er im Vorjahr wieder Ministerpräsident wurde. Rein sprachlich verständigen könnte sich Eroglu sowohl mit den UN-Vertretern als auch mit den griechischen Zyprioten: Er beherrscht Englisch ebenso wie Griechisch.