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Neue Vorwürfe gegen Berlusconi

Von Rainer Mayerhofer

Europaarchiv

Berichte über eine zweite minderjährige Prostituierte. | Wien/Rom. Während sein Kulturminister Sandro Bondi einen Misstrauensantrag der Opposition mit 314:292 Stimmen bei zwei Enthaltungen überstanden hat, brauen sich über Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi neue schwere Gewitterwolken zusammen. In der Affäre rund um Sex-Partys in seiner Villa in Arcore ist jetzt eine zweite minderjährige Prostituierte aufgetaucht, die heute 19-jährige aus Brasilien stammende Iris B.


Auch die abgehörten Telefongespräche und die in der Wohnung des Callgirls Ruby - die im Mittelpunkt des Skandals um Prostitution und Amtsmissbrauch steht - gefundenen Aufzeichnungen bringen Berlusconi immer mehr in Bedrängnis. Die Marokkanerin soll von Berlusconi fünf Millionen Euro Schweigegeld verlangt haben. In einem beschlagnahmten Notizbuch sind mehrere höhere Geldflüsse vermerkt - zusammengenommen rund 250.000 Euro. Dann heißt es: "Viereinhalb Millionen erhalte ich von Spinelli". Der 69-jährige Giuseppe Spinelli ist ein enger Vertrauter Berlusconis aus dessen Wirtschaftsimperium.

Italienische Medien berichten, dass Berlusconi nach dem Auffliegen des Skandals Mitte Jänner dieses Jahres die Teilnehmerinnen seiner "Bunga Bunga" genannten Sex-Partys einberufen habe, um gemeinsam mit seinen Anwälten über die Inhalte der abgehörten Telefonate zu sprechen.

Nicole Minetti, 25-jährige Regionalabgeordnete von Berlusconis Partei in der Lombardei, die Berlusconis Feste organisiert hatte und dafür vom Regierungschef als Kandidatin auf die Liste gesetzt wurde, hat sich in abgehörten Telefongesprächen sehr eindeutig geäußert: "Berlusconi kackt sich an, wegen dem was Ruby noch auspacken könnte."

In einem anderen Gespräch meinte Minetti: "Die Politik ist ein Bordell. Wenn er fällt, fallen wir alle. Für ihn ist es bequem, dich und mich ins Parlament zu schicken, weil er sagt: Gut, ich habe sie mir von den Eiern geschafft und ihr Gehalt zahlt der Staat. (.. .) Er benimmt sich wie ein Stück Scheiße, nur um seinen schlaffen Arsch zu retten."

SVP feiert Kompromiss

Die Abstimmung über Kulturminister Bondi, bei der sich die zwei Abgeordneten der Südtiroler Volkspartei (SVP) der Stimme enthalten haben, bringt die italienischen Südtiroler gegen Berlusconi auf, weil sie mit der Entschärfung umstrittener faschistischer Relikte in Südtirol junktimiert war. So sollen einige Reliefs aus der Mussolini-Zeit entfernt und am Bozener Siegesdenkmal erklärende Tafeln angebracht werden.