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"Neue Währung -gleicher Preis"

Von Joachim Hohl

Wirtschaft

Die Bundesregierung will die letzten 180 Tage vor der Euro-Bargeldeinführung dazu nutzen, noch bestehende Unklarheiten und Sorgen in der Bevölkerung zu zerstreuen. Besonders der Hauptsorge der Österrreicher - nämlich "versteckten" Preiserhöhungen - werde man sich annehmen, kündigte Finanzminister Karl-Heinz Grasser am Donnerstag an.


Es dürfe weder im öffentlichen noch im privaten Sektor zu ungerechtfertigten Preiserhöhungen kommen, so Grasser: "Wir werden mit Argusaugen darüber wachen, dass es kein Körberlgeld für jene geben wird, die mit Umstellungsschwierigkeiten der Bürger spekulieren." Es müsse generell gelten: Neue Währung - gleicher Preis. Für den Fall eines Zuwiderhandelns sind hohe Strafen vorgesehen: Bei erstmaligen Verfehlungen sind es 20.000 Schilling, im Wiederholungsfall bis zu 200.000 Schilling. "Wir werden keine Umstellungsgewinnler in Österreich zulassen", so Grasser.

Der Bund geht mit Abrundungen bei Tarif- und Gebührensätzen zu Gunsten der Bürger mit gutem Beispiel voran. Zwar würden dadurch 250 bis 300 Mill. Schilling verloren gehen, die er bei der Finanzkonsolidierung gut gebrauchen könnte, so Grasser. Andererseits könnte diese Maßnahme zur Vertrauensbildung in der Bevölkerung aber zweifellos maßgeblich beitragen.

Auch Stadt Wien zieht mit

Auch die Stadt Wien wird bei den Abrundungen konsequent mitziehen, wie Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Sepp Rieder erklärte. Daher werden ab 1. Jänner 2002 zahlreiche Leistungen der Gemeinde - wie etwa Parkscheine und Fahrscheine - um einige Cent billiger. So soll etwa ein Einzelfahrschein der Wiener Linien 1,30 Euro kosten. Dem bisherigen Preis von 19 Schilling entsprechen aber 1,39 Euro.

Verantwortungsvoller Handel

Der Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Christian Domany, zeigte sich zuversichtlich, dass auch im Handel versteckte Teuerungen ausbleiben werden. Er sei überzeugt, dass sich die Unternehmen ihrer Verantwortung für die Vertrauensbildung in die neue Währung bewusst seien, sagte Domany.

Wolfgang Duchatczek, Mitglied des Direktoriums der Notenbank, betonte, dass ungerechtfertigte Preiserhöhungen in der Phase der gesetzlichen Doppelauszeichnung der Preise ab 1. Oktober nicht stattfinden können. Daher seien makroökonomisch auch keine signifikanten Änderungen zu erwarten. Wenn, dann würden eher in der derzeitigen Phase Preisänderungen vorgenommen, meinte Duchatczek.

Jüngsten Umfragen zufolge fühlt sich die Mehrzahl der Österreicher über den Euro schon gut informiert. Die Euro Initiative werde dennoch auch in den Sommermonaten intensiv fortgesetzt, so Grasser. So soll ein mobiler Informationsstand bei Großveranstaltungen in ganz Österreich der Bevölkerung die Möglichkeit bieten, sich direkt zu informieren. Von September bis Mitte Dezember macht dann der "Eurozug" in 60 Stationen in ganz Österreich Halt. Die Wirtschaftskammer hat zudem gemeinsam mit dem ORF ein Call-Center eingerichtet. (Tel: 0800/ 221 222)

Mehr zum Thema Euro unter http://www.wienerzeitung.at/aktuell/2001/euro/