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Neuer Anlauf für Gespräche

Von Martyna Czarnowska

Europaarchiv

Griechische und türkische Zyprioten wollen verhandeln. | Lösung zur Wiedervereinigung der Insel gesucht. | Nikosia/Wien. Wenn der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im kommenden Monat nach Zypern kommt, wird dies der griechisch-zypriotischen Regierung kaum gefallen. Erdogan wird nämlich im Norden der geteilten Mittelmeerinsel erwartet - anlässlich des 32. Feiertages des Einmarsches der türkischen Truppen auf Zypern. Und was die türkischen Zyprioten als Schutzfunktion Ankaras ansehen, ist für die griechischen Zyprioten schlicht Besatzung. Dies auch noch zu feiern, empfinden letztere als Affront. Die international isolierte Türkische Republik Nordzypern wird nur von Ankara anerkannt.


Dennoch könnte es bald zu einem neuen Anlauf für Gespräche zur Lösung der Zypern-Frage kommen. Der Führer der türkischen Zyprioten, Mehmet Ali Talat, hat Verhandlungen vorgeschlagen - und die Bereitschaft signalisiert, vom vorliegenden UNO-Plan zur Wiedervereinigung der Insel abzugehen. Der Plan war vor zwei Jahren von einer Mehrheit der griechischen Zyprioten abgelehnt worden. Seitdem hat es keine offiziellen Gespräche zwischen den Volksgruppenführern gegeben.

Das Treffen zwischen Talat und dem Präsidenten der Republik Zypern, Tassos Papadopoulos, soll nun am 3. Juli stattfinden. Der griechisch-zypriotische Regierungssprecher bestätigte dies. Allerdings solle es bei der Zusammenkunft nur um die Frage der Vermissten gehen, schränkte er ein. Mehr als 1000 Menschen gelten seit den blutigen Auseinandersetzungen Anfang der 70er-Jahre als vermisst.

Streitpunkt Grundbesitz

Was die Beziehungen zwischen den Volksgruppen ebenso belastet, ist die Rückerstattung von Grundbesitz. Hunderttausende Menschen sind vor 32 Jahren aus ihren Heimatorten geflohen. Wie etwa den griechischen Zyprioten ihre Häuser im Norden - wo teils nun türkische Familien wohnen - rückerstattet werden sollen, ist noch völlig unklar.

Hunderte griechische Zyprioten haben sich an eine Kommission im Norden gewandt, die allerdings noch vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof legitimiert werden müsste. Drei Anträge wurden vor kurzem entschieden: Zwei Menschen sollen ihre Häuser im Norden zurückbekommen. In einem Fall gibt es stattdessen Geld.