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Neuer Anschlag auf Pipeline

Von Wolfgang Tucek

Politik

Entgegen der Versicherungen der USA scheint sich der Widerstand gegen die US-Besatzung im Irak zunehmend besser zu organisieren.Vor allem Anschläge gegen das für die Zukunft des Landes wichtige Pipeline-Netz häufen sich. Trotzdem meldet sich der Irak am Welt-Ölmarkt zurück. Unklar ist, ob er im Rahmen des OPEC-Kartells operieren wird. Dies könnte entscheidend für die weitere Entwicklung des Ölpreises sein.


Kaum ein Tag vergeht, ohne dass irgendwo im Land Anschläge auf US-Soldaten oder wichtige Einrichtungen wie Öl-Pipelines verübt werden. In der Nähe der syrischen Grenze dürfte in der Nacht auf Montag bereits der dritte Anschlag auf eine Pipeline verübt worden sein. Das Vorgehen des Irak bei seiner Rückkehr auf den weltweiten Erdöl-Markt beschäftigt die OPEC. Die USA haben unterdessen beschlossen, bis zu 250.000 irakischen Soldaten noch einmal Gehälter auszuzahlen.

Die Angriffe auf die Besatzungssoldaten haben im Irak seit dem Kriegsende am ersten Mai nach US-Angaben 18 US-Soldaten das Leben gekostet. Weitere 36 kamen bei Unfällen ums Leben. Über die Zahl von bei Gegenschlägen der Amerikaner getöteten Iraker gibt es keine verlässlichen Angaben. Im libanesischen Fernsehen meldete sich der Sprecher einer neuen Widerstandsbewegung, der den USA "Tod und Vergeltung" für ihr Vorgehen im Irak ankündigte.

US-Verwalter Paul Bremer strich bei einem Vortrag vor Politikern und Firmenchefs in der jordanischen Hauptstadt Amman die Erfolge der USA im Irak heraus. Er zeichnete entgegen den täglichen Berichten über Angriffe ein positives Bild von den Zuständen im Zweistromland.

Nach Angaben aus dem irakischen Ölministeriums kam es in der Nacht auf Montag zu einer Explosion an einer Öl-Pipeline in einem Abschnitt der zweitgrößten Export-Leitung des Landes. In der Nähe der Stadt Hit nordwestlich von Bagdad war erst am Samstag ein Anschlag auf eine Erdgas-Pipeline verübt worden. Laut dem irakischen Ölministerium handelte es bei der Explosion sich eindeutig um Sabotage.

Die Pipeline diente der Versorgung der wichtigsten Raffinerie für den Raum Bagdad. Am 13. Juni hatten Saboteure bereits eine Pipeline im Nordirak schwer beschädigt.

Kehrt der Irak zur OPEC zurück?

Die neuen Anschläge vom Wochenende fielen mit den letzten irakischen Vorbereitungen auf die Wiederaufnahme der Ölexporte an diesem Sonntag zusammen. Erstmals seit Mitte März wurde wieder irakisches Erdöl exportiert. Der Irak verfügt neben Saudi-Arabien und Kanada über die größten Öl-Reserven der Erde und darf nach Aufhebung der UNO-Sanktionen theoretisch uneingeschränkt exportieren. Bei dem letzten OPEC-Treffen in Doha vor zwei Wochen war kein Delegierter des Irak anwesend. Ein eigenmächtiges Vorgehen des ehemaligen Gründungsmitgliedes der OPEC könnte Auswirkungen auf die Entwicklung des Ölpreises nach sich ziehen.

Die USA bestimmen im Irak und haben so die Ölmarktentwicklung und die Stabilität des Verhältnisses zwischen den erdölfördernden Ländern in der Hand. Ideen der "Arbeitsgruppe Öl und Energie" des US-Außenministeriums sorgten in den von den staatlichen Erdölgesellschaften dominierten OPEC-Ländern für Unruhe: Die Arbeitsgruppe schlägt vor, im Irak die Industrie zu privatisieren und das staatliche Ölmonopol durch die Beteiligung privater Ölmultis aufzubrechen. Das irakische Volk werde laut US-Verwalter Bremer in Form von "Dividenden" an den Öleinnahmen beteiligt. Die Förderanlagen werden derzeit unter Hochdruck von der US-Firma Kellogg Brown&Root repariert. Diese hat als Rüstungszulieferer und Tochterfirma des Multis Halliburton, dem einst US-Vizepräsident Dick Cheney vorsaß, einige Bekanntheit erlangt.