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Neuer Finanzminister, alte Haltung

Von Alexander U. Mathé

Politik
Ohne Helm und ohne Gurt: Tsakalotos rückt von Varoufakis’ Sozius auf und führt nun das Finanzressort.
© rueters/A. Konstantinidis

Nach dem Abtritt von Yanis Varoufakis wird Euklid Tsakalotos dessen Nachfolger.


Athen. Yanis Varoufakis ist weg. Er sei das Bauernopfer, heißt es, der Scharfmacher, der entfernt werde, um die Verhandlungspartner zu besänftigen. Mit seinem Abdanken würden die Verhandlungen mit Griechenland einfacher, heißt es hier und da von europäischen Politikern. Alle Hoffnungen liegen nun auf dem Neuen - und das ist Euklid Tsakalotos. Doch vielleicht lässt sich da manch einer nur von Äußerlichkeiten blenden.

Im Gegensatz zu Varoufakis ist sein Kleidungsstil nicht sportlich, sondern sportlich-elegant - auch wenn der 55-Jährige noch meilenweit vom eleganten Businesslook seiner Gegenüber entfernt ist. Sein Wesen: zurückhaltend höflich, nicht aufbrausend. Sein Amt bisher ebenso: Offiziell war er nur einer der stellvertretenden Außenminister Griechenlands.

Doch dass hinter dieser unauffälligen Fassade mehr steckt, konnte man schon bald erahnen. Im April bereits hat er von Varoufakis die Position als Verhandlungskoordinator gegenüber der Eurogruppe und dem Internationalen Währungsfonds übernommen. So hat auch seine Nominierung für den Posten als Finanzminister Analysten wenig überrascht. Die europäischen Verhandler waren damals vom Wechsel des Verhandlungskoordinators hellauf begeistert, allein geändert hat es an den Positionen und dem Fortschritt der Verhandlungen wenig.

Dass Griechenland Reformen braucht, steht für Tsakalotos außer Frage. Doch wer glaubt, dass der neue Finanzminister auf Linie mit EU und Gläubigern sei, könnte weiter nicht fehlen. Für das langjährige Mitglied des Zentralkomitees seiner Partei Syriza sind nicht die angepeilten Liberalisierungen, ein rigides Sparprogramm und die Schaffung eines wirtschaftsfreundlichen Klimas die Lösung. Vielmehr sollen der Kampf gegen Steuerhinterziehung und Korruption sowie der Aufbau einer effizienten Verwaltung die Griechen aus der Misere ziehen. Auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer lehnt er - so wie sein Vorgänger - strikt ab.

Für ihn liegt die Hauptschuld an der jetzigen verfahrenen Situation bei Eurogruppe und IWF. Vor allem deshalb, weil ein rechtszeitiger Schuldenschnitt den jetzigen Engpass verhindert habe. Aber auch weil für Griechenland die falsche Strategie ausgelegt worden seien. "Die Troika sagte nie: Ihr bekommt kein Geld, wenn ihr nicht die Reichen besteuert. Sondern sie sagte: Ihr bekommt die nächste Kredittranche nicht, wenn ihr nicht die Renten kürzt", so Tsakalotos.

Auch sein Werdegang zeigt, dass jene irren, die ihn nur nach dem äußeren Schein beurteilen. Er stammt aus reichem Elternhaus, hat an der englischen Eliteuniversität Oxford Wirtschaft, Politik und Philosophie studiert und mit dem Doktorat abgeschlossen. Schließlich wurde er selbst Professor für Volkswirtschaft zuerst in Kent, dann in Athen.

Der Mann, der akzentfrei Englisch, dafür Griechisch mit einem leichten englischen Akzent sprechen soll, weiß also, wovon er spricht, wenn er am Verhandlungstisch sitzt. Und zwar nicht nur theoretisch. Angeblich hat er erfolgreich in Fonds investiert, wie jenen des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock oder der größten US-Bank JPMorgan Chase (die Griechenland seinerzeit übrigens geholfen haben soll, dessen Schulden zu verschleiern). Davon konnte er sich eine Villa in einer schicken Gegend Athens kaufen, wo er mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt.