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Neuer Forschungsrat sollte sich über schwammige Strategien hinwegsetzen

Von Eva Stanzl

Analysen

An sich wollte Wissenschaftsministerin Beatrix Karl mit ihren Nominierungen warten, bis der Finanzminister die nationale Forschungsstrategie absegnet. Der neue Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) sollte klare Richtlinien haben. Die Umsetzung der Strategie ist aber nun auf unbestimmt verschoben. Der neue, nun komplette Forschungsrat darf und sollte also, so wie der alte, den Fahrplan selbst vorgeben - sprich seiner eigentlichen Aufgabe nachkommen.


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Kaum ein Land hat so viele Strategie-Papiere zur Forschung erarbeitet wie Österreich. Wer sie jedoch liest, könnte meinen, dass niemals jemand vorhatte, sie umzusetzen. Denn niemand wüsste, was genau denn umzusetzen wäre, so wenig konkret sind die Inhalte. Das mag nicht zuletzt am Wesen politischer Strategien liegen. Auf den Letztentwurf zur Forschungsstrategie mussten sich sechs Ministerien einigen. Wen wunderts bei so vielen Köchen, dass eine schwammige Formulierung wie "vom Innovation Follower zum Innovation Leader" als kleinster gemeinsamer Nenner die Richtung im Brei vorgibt.

Der prominent und hochwertig besetzte Forschungsrat könnte nun die Gelegenheit ergreifen, sich über die schwammige Strategie hinwegzusetzen. Er könnte entweder eigene Vorschläge erarbeiten oder die Inhalte des Papiers derart konkretisieren, dass sie selbst angesichts knapper Budgets einen Weg in die Zukunft weisen. Dazu müsste er klare Prioritäten setzen. Statt Länder-Ranking um Länder-Ranking erstellen zu lassen, so lange, bis die Zahl der Statistiker jene der Forscher übersteigt, könnte er etwa eine wettbewerbsfähige Dotierung der Grundlagenforschung im eigenen Land empfehlen. Diese sollte nicht nur Projekte, sondern auch teure Geräte finanzieren und erhalten, sodass nicht regelmäßig finanzielle Löcher entstehen.

Statt Österreichs Innovationsleistung mit jener von Technologie-Anführern wie Finnland zu vergleichen, die ihre Bildungsreform schon vor 25 Jahren umgesetzt haben, könnte sich das Land auf seine eigenen Stärken konzentrieren. Und etwa in Biotechnologie und Quantenphysik weiter und gebündelt investieren, und eine Bildungsreform endlich in Angriff nehmen.

Allerdings scheinen die nominierenden Ministerien für Wissenschaft und Infrastruktur übereingekommen zu sein, dass Ratsvorsitzender der Industrielle Hannes Androsch wird. Zumindest macht dieser sonst nicht mit. Der Grundlagenforschung könnte also weniger Bedeutung zukommen, als es bei fünf Ratsmitgliedern aus Universitäten zu erwarten wäre. Bleibt zu hoffen, dass diese sich dennoch Gewicht verleihen. Bis Ende der Legislaturperiode 2013 haben sie dafür Zeit. Hat der Forschungsrat bis dahin nichts Konkretes erreicht, könnte sie die Bundesregierung ihn - wie 2009 - mit der Ankündigung einer eigenen Strategie übertölpeln.

Siehe auch:Kontroverse um den Forschungsrat