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Neuer König, alte Probleme

Von Arian Faal

Politik

Nach dem Tod von Abdullah muss der neue König Salman die Weichen für die Zukunft der wahhabitischen Ölmacht stellen.


Wien. Es war eine sehr knappe Nachricht vom Palast. "Seine Majestät, der Wächter der zwei heiligen Moscheen von Mekka und Medina, ist verschieden". Sein Halbbruder, Kronprinz Salman wurde mit sofortiger Wirkung zum König erklärt. Bilder von Mekka flimmerten über die TV-Schirme.

Mit dem Gesundheitszustand des am Donnerstag verstorbenen saudischen Königs Abdullah bin Abdulaziz (90) ging es seit rund zwei Jahren stetig bergab. Rücken- und Lungenprobleme plagten den im Land beliebten Herrscher so sehr, dass er zuletzt an den Rollstuhl und an Atemmasken gefesselt war.

Der greise Herrscher war sich sein heran nahenden Endes bewusst, denn er regelte, nachdem er zwei seiner potenziellen Nachfolger überlebt hatte, vorzeitig seine Nachfolge in Eigenregie.

Thronfolgerat vonAbdullah ausgebootet

Zudem ließ er sein engstes Umfeld in den vergangenen acht Wochen mehrmal zu sich kommen, was von Beobachtern als kritisches Zeichen für seinen Zustand gewertet wurde. Den zuvor gegründeten, für die Nachfolgeregelungen zuständigen, Thronfolgerat bootete er in der Nachfolgefrage insofern aus, als dass er sich die Freiheit nahm, die beiden Kronprinzen selbst zu bestimmen: Der jetzige König und bisherige Kronprinz Salman (79) und Muqrin bin Abdulaziz.

Der im Vorjahr nominierte Vizekronprinz und jetzige Kronprinz ist ein Halbbruder Abdullahs und mit 69 Jahren der jüngste noch lebende Spross von Staatsgründer Abdulaziz al-Saud. Innerhalb des Klerus und anderer Zweige der Familie ist er aber äußerst umstritten. Aus deren Sicht hat Muqrin keinen Anspruch auf den Thron, weil er von einer Jemenitin abstammt, die das königliche Familienoberhaupt seinerzeit als 15-Jährige schwängerte. Daher kommt es, dass sich nach Muqrins Ernennung sieben der 34 Repräsentanten im sogenannten Thronfolgerat ihre Zustimmung verweigerten oder sich der Stimme enthielten. Dies ist ein Indiz für wachsende Spannungen innerhalb des weitverzweigten Herrscherclans.

"Schattenkönig" im Hintergrund?

Auf König Salman warten gewaltige innenpolitische Aufgaben: Söhne des Staatsgründers gibt es nicht mehr viele und der Sprung zur Enkelgeneration wird für ihn zu einem Lackmustest werden. Vorsorglich ernannte Salman per Dekret als eine seiner ersten Amtshandlungen als König Innenminister Prinz Mohammed bin Nayef (55) zum neuen Vizekronprinzen und ebnete der Enkelgeneration des Staatsgründers den Weg zur Macht.

Die Frage, die sich viele Experten stellen, ist, ob Salman überhaupt in der Lage dazu ist, das Land zu regieren. Gerüchte von einer Demenzerkrankung kursieren schon länger und zwei Schlaganfälle haben ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Bei seiner ersten TV-Ansprache nach der Machtübernahme sprach Salman so atemlos, dass er kaum zu verstehen war.

Es wird hinter vorgehaltener Hand bereits gemunkelt, dass Muqrin zu einem "Schattenkönig" im Hintergrund emporsteigen könnte.

Fallender Ölpreis reißt Lochin die Staatskasse

Die noch interessantere Personalie ist jedoch die Ernennung von Prinz Mohammed bin Nayef zum Vize-Kronprinzen. Er hat wie Salman einen guten Draht nach Washington und genießt dort hohes Ansehen als fähiger Administrator. Abgesehen von den Querelen um die Nachfolge gibt es einen ganz anderen innenpolitischen Bereich, der Salman und seinen Nachfolgern Kopfzerbrechen machen wird: die saudische Gesellschaft. Da köchelt es. Auf saudi-arabischen Internetseiten wächst der Unmut über die "Spießer- und Schmarotzerklasse der rund 8000 Prinzen und der mit ihnen verbundenen Familien", einer superreichen Petro-Nomenklatura von etwa 100.000 Personen. Der seit einem halben Jahr verfallende Ölpreis dürfte 2015 ein Rekordloch von fast 40 Milliarden Dollar (33,57 Milliarden Euro) in das Staatsbudget reißen und könnte der Nährboden für soziale Unruhen sein.

Zwielichtiger Umgangmit Terroristen

Zudem kommt die Arabische Halbinsel, die so groß wie Westeuropa ist und deren - mit Abstand - größten Teil das Staatsgebiet Saudi-Arabien ausmacht, durch die von der dschihadistischen Gruppierung "Islamischer Staat" (IS) ausgelösten Terrorwelle immer mehr in den Blickpunkt der Medien. Hierbei hat das von traditionell wahhabitisch-islamischen Vorstellungen geprägte Königreich eine zwielichtige Position mit vielen Ungewissheiten inne. Die Terroristenszene spielt in Saudi-Arabien eine schwer zu durchschauende Rolle und es soll nicht wenige reiche Geschäftsleute in Riad und anderen Städten geben, die Hauptfinanciers von Gruppierungen wie Al-Kaida und Al-Nusra sind.

Letztlich wird interessant sein, wie die neue Führung mit der schiitischen Minderheit im Osten des Landes umgehen wird. In Hinblick auf die Querelen mit dem Iran, der die Schiiten in der Region unterstützt, muss Riad aufpassen, dass diese Gruppe nicht erstarkt, denn genau in ihrem Einzugsgebiet befinden sich einige der wichtigsten Ölfelder des Landes.