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Neuer Start in die Energiewende?

Von Konstanze Walther

Wirtschaft

200 Petajoule zusätzlich aus Holz, Solar, Wind und Wasserkraft möglich. | Biomasseverband will 1,3 Mrd. Euro Förderung für Gebäudesanierung. | Wien. Für Europa war der Ernstfall zwar nur befristet: Russland und die Ukraine einigten sich, den Gasfluss nach fast zwei Wochen nicht länger aufzuhalten. Doch Slogans wie "Raus aus der Abhängigkeit von Öl und Gas" werden wieder lauter. Österreichs Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich will die Ökoenergie zu einem Schwerpunkt im Jahr 2009 machen.


Laut den Daten der E-Control beläuft sich der österreichische Jahresbedarf an Energie derzeit auf rund 1400 Petajoule. Davon entfallen ein Viertel auf Haushalte, der Privatverkehr macht 17 Prozent aus.

Bisher steuern die "Erneuerbaren" - inklusive der Wasserkraft - rund 300 Petajoule und damit 22 Prozent des gesamten heimischen Energiebedarfs bei.

Bis 2020 könnten es 500 Petajoule werden, meinte Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen Biomasseverbands, bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Im selben Jahr wird Österreich übrigens auch die EU-Verpflichtung erfüllen müssen, seinen Energiebedarf zu 34 Prozent aus erneuerbarer Herkunft zu decken - was rund 130 Petajoule mehr Erneuerbare erfordert.

Doppelt so viele Pellets

Nach Kopetz´ Berechnungen müssten sich sogar 200 Petajoule zusätzlich realisieren lassen - zur Hälfte aus Biomasse, zur anderen Hälfte in gleichen Teilen durch den Ausbau der Wasser- und der Windkraft sowie der Solarenergie.

Derzeit produziere Österreich eine Million Tonnen an Holz-Pellets für Heizungen. Laut dem Biomasseverband ist das Doppelte möglich. "Jährlich gibt es einen Zuwachs von 10 bis 12 Millionen Festmetern Holz, der ungenützt bleibt. Davon bräuchte man nur ein Drittel nutzbar zu machen."

"Holz ist nicht gleich Holz, das ist illusorisch", protestiert man da aber aus dem Umweltministerium: Die 12 Millionen Festmeter Neuwald stünden teilweise in Naturschutzgebieten. Das Ministerium wird selbst in den nächsten Tagen eine eigene Studie zu Thema "Erneuerbare Energien" präsentieren.

Christian Schönbauer, zuständig für Erneuerbare Energien bei der E-Control, hält 200 Petajoule Zuwachs für überzogen. Das Potenzial umfasse höchstens 100 bis 130 Petajoule - inklusive geplanter Wasserkraftwerke. "Das ist eine totale Unterschätzung", kontert Kopetz. 200 Petajoule seien "absolut realisierbar". Die Frage sei einfach, wie viel Geld man bereit sei, in die Hand zu nehmen. Man müsste etwa achtmal so viele Solarkollektoren aufstellen, wie bisher vorhanden sind: Von derzeit 3 Millionen Quadratmetern würde die Sonnenkollektoren-Fläche auf 25 Millionen Quadratmeter steigen - und dann 40 Prozent der geeigneten Dachflächen und 20 Prozent der passenden Fassadenflächen bedecken.

Doch parallel dazu müsste der zuletzt und auch laut Prognosen jährlich um rund zwei Prozent steigende Energiebedarf eingedämmt werden. Wie die meisten Energieexperten sieht auch Kopetz den Schlüssel zum Energiesparen in der Gebäudesanierung. "Da könnten 50 Prozent der Heizenergie gespart werden."

Der vom Biomasseverband vorgeschlagene Plan des "Umbaus der Wärmeversorgung" würde 1,3 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln kosten.

Neben dem "gezielteren Einsatz" von Budgetmitteln soll sich das Programm nach den Vorstellungen der Lobbyisten durch einen zeitlich befristeten Aufschlag auf die Mineralölsteuer von bis zu 20 Cent pro Liter finanzieren - solange der Ölpreis unter 100 Dollar liegt.