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Neuer Test erkennt Gefahr früher

Von Friedrich Katscher

Wissen

In Österreich erkranken jedes Jahr 500 bis 600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs und 150 bis 200 sterben daran. Ein Großteil dieser Fälle wäre vermeidbar. Denn wenn die Vorstufen des Cervix-, Collum- oder Portiokarzinoms - so die Fachausdrücke - rechtzeitig diagnostiziert werden, kann die Krankheit durch einen kleinen chirurgischen Eingriff zu fast 100 Prozent geheilt werden. Seit 1. Juli 1999 bezahlt die Krankenkasse daher einen neuen zusätzlichen Test zur Früherkennung.


Im Jahre 1941 beschrieb der griechische Arzt George Nicholas Papanicolaou, der 1913 in die USA eingewandert war, eine einfache, rasche und schmerzlose zyto(zell)diagnostische Methode, um das Vorhandensein veränderter, vom Normalen abweichender Zellen festzustellen, die sich zu einem Cervixkarzinom entwickeln könnten. Sie besteht darin, einen "Abstrich" zu machen, das heißt, abgeblätterte Zellen von dem in die Scheide hineinragenden Gebärmutterhals zu entnehmen, zu färben und dann unter dem Mikroskop zu betrachten, um krebsige Entartungen zu entdecken.

Der Pap-Test - wegen des komplizierten Namens so abgekürzt - gehört zur Routineuntersuchung beim Frauenarzt. Seit seiner Einführung hat die Zahl der Todesfälle durch Gebärmutterhalskrebs um 70 bis 75 Prozent abgenommen. Sie könnte weiter gesenkt werden, wenn alle Frauen regelmäßig, am besten einmal jährlich, zum Gynäkologen gingen.

Es war der deutsche Virologe Harald zur Hausen, der 1975 den Verdacht aussprach, dass nicht nur der Krebs der Gebärmutter, sondern auch andere, seltenere Karzinome der Region der Geschlechtsteile und des Afters - Penis-, Harnröhren-, Scheiden-, Vulva- (äußere weibliche Geschlechtsteile, besonders Schamlippen- und Kitzler-) und Anuskrebs - durch ein Virus ausgelöst werden, das auch die gewöhnlichen Warzen hervorruft und daher Papillomavirus genannt wird (papilla, lateinisch, Warze; -om, -oma, Endung zur Kennzeichnung einer Geschwulst).

13 gefährliche Typen

Es stellte sich heraus, dass es mehr als 70 verschiedene Unterarten - "Typen" - der Papillomaviren gibt, von denen einige nur harmlose Warzen erzeugen, während 13 (vor allem Nr. 16 und 18) die Ursache von Krebs im Anogenitalbereich sind, der fünf bis 40 Jahre zu seiner Entwicklung braucht. Die Abkürzung für die Humanen (menschlichen) Papillomaviren ist HPV.

Es lag nahe, bei einem zweifelhaften Pap-Abstrich zu untersuchen, ob man krebserregende HPViren findet, um auf diese Weise festzustellen, ob eine echte Gefahr besteht oder nicht. HPViren lassen sich nur durch molekularbiologische DNS-Methoden feststellen. Zu Forschungszwecken wurde anfangs die Polymerasekettenreaktion (PCR) angewendet, doch die US-Firma Digene entwickelte seit Anfang der 90er-Jahre ein einfacheres, verlässliches und empfindliches Verfahren, das den englischen Namen Hybrid Capture (abgekürzt HC) trägt.

Die verbesserte zweite Generation heißt daher HC-II-HPV-DNS-Test. In Österreich wird er jetzt dann routinemäßig angewendet, wenn bei einem Pap-Test das Ergebnis III (unklares, zweifelhaftes Zellbild) oder III D (leichte bis mittelgradige Dysplasie - abnormale Zellen) lautet. Der HPV-Test ist aufwendiger und daher teurer als ein Pap-Test.

In Österreich werden das "Abnahmebesteck" (ein Tupfer oder Bürstchen, die zur Entnahme von Zellmaterial 1 bis 1,5 cm in den Muttermund - die Öffnung in die Gebärmutter - eingeführt werden, und ein Transportröhrchen) und die nötigen Laboratoriumsapparaturen und Reagenzien von der Firma Abbott geliefert. Der Digene-Test weist alle 13 Hochrisiko- sowie 5 Niedrigrisiko-HPV-Typen nach.

Die wirkungsvollste Methode, um Gebärmutterhalskrebs und andere HPV-Krebse zu verhüten, wäre eine Impfung in der Jugend, vor dem ersten Geschlechtsverkehr. An einem HPV-Vakzin wird gearbeitet. Es muss allerdings gegen alle 13 krebserzeugenden HPViren wirksam sein und deshalb wird es wohl noch mehrere Jahre dauern, bis es fertig entwickelt und erprobt sein wird.

Viruzid im Test

US-amerikanische Forscher entdeckten 1998, dass ein Waschmittelbestandteil (Detergens), der auch in Zahnpasten, Shampoos, Duschcremen und Rasierschaum enthalten ist, Sodium(Natrium)-Lauryl-Sulfat, HPViren vernichtet, indem es ihre Hüllen zerstört. Wirksame Konzentrationen erwiesen sich gegenüber Kaninchenhaut und Deckzellen der männlichen Vorhaut des Menschen als ungiftig. Ob dieses "Viruzid" (virenabtötende Substanz) im menschlichen Körper genau so erfolgreich ist wie im Laboratorium und auf welche Weise man es gegen HPViren anwenden kann, werden erst umfassende Studien bei HPV-positiven Versuchspersonen zeigen.