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Neues islamisches Institut erforscht Interkulturalität

Von Stefan Beig

Wissen

Islamische Weltliga fördert neues Institut. | Wien. Eine "tiefer werdende Kluft zwischen der islamischen und der westlichen Kultur" konstatiert der Islamwissenschafter Elsayed Elshahed. Der ehemalige Direktor der Islamischen Religionspädagogischen Akademie in Wien geht sogar so weit, von einem "kulturell geführten ,Kalten Krieg´ zwischen zwei an und für sich verwandten Kulturen" zu sprechen.


Als Gründe für die Entfremdung nennt Elshahed die mit zunehmender Spannung beladene Wahrnehmung der Muslime in der Öffentlichkeit, "mangelhafte Kenntnisse über die jeweils andere Kultur, die unheilvolle Vermischung zwischen Religion und Tradition und die unausgewogene weltpolitische Lage". Nun soll ein eben gegründetes Institut für Interkulturelle Islamforschung (Intis), dessen Leiter Elshahed ist, die interreligiöse Verständigung verbessern. Finanziert wird das Projekt von der 1962 in Mekka gegründeten Islamischen Weltliga.

Im Unterschied zu anderen interkulturellen Einrichtungen soll sich das Intis ausschließlich der Forschung widmen. Ziel ist es, wissenschaftlichen Nachwuchs aus islamischen und europäischen Ländern langfristig zusammenzubringen und Bildungseinrichtungen mit den Forschungsergebnissen zu versorgen. Laut Elshahed fehlen "klare Konzeptionen für interkulturelle Erziehung an Schulen und für interkulturelle Forschung an Hochschulen".

Kampffeld Permissivität

Vergangenen Freitag fand im Islamischen Zentrum in Wien - dem Sitz des Intis - die Eröffnungskonferenz" statt. Als zentrales "Kampffeld" nannte der Orientalist Rüdiger Lohlker von der Uni Wien in einem Kurzvortrag die "Permissivität moderner Gesellschaften". Dabei habe gerade die Kritik des bekannten islamischen Predigers Yusuf al-Qaradawi an der Regensburger Rede von Papst Benedikt eine "fundamentale Übereinstimmung" gezeigt: Al-Qaradawi erwies dem Papst gleichzeitig seine "Wertschätzung" für dessen "wertkonservative Haltung". Die Bedingungen solcher interreligiöser Diskurse könnten laut Lohlker Gegenstand künftiger Islamforschungen werden.

Fareed Alkhotani, der Direktor des islamischen Zentrums, hofft, das Projekt werde "der österreichischen Gesellschaft eine wissenschaftlich fundierte Grundlagenforschung anbieten". Anstehende Probleme müssten aus "zwei Perspektiven, einer islamischen und einer nicht-islamischen" angegangen werden. "Konstruktive Kritik und Selbstkritik" sollten zur Lösung von Problemen beitragen.